9. November 2024 in Reinickendorf

Gestartet hatte zumindest für mich der Tag mit dem Putzen von Stolpersteinen, in meiner Umgebung und vor dem Rathaus Reinickendorf. Um 11:00 Uhr begann vor ca. 80 Teilnehmer*innen die Gedenkveranstaltung des Bezirksamtes Reinickendorfs.

Begrüßt wurden von der Bezirksbürgermeisterin Emine Demirbüken-Wegner die Vertreter*innen der Parteien der BVV, Botschaftsvertretung aus Tschechien, der Arbeitskreis politischer Bildung, Vergangenheit – Zukunft e.V. der die Reisen der Schüler*innen vom Europäischen Gymnasium Bertha von Suttner nach Lidice betreut und für das Abgeordnetenhaus von Berlin Rolf Wiedenhaupt AFD! „Was die AFD vertritt die AFD von Berlin“ hatte ich mir gedacht.

Nach der Ansprache von der Bezirksbürgermeisterin hatte die Schülerin Neva Friesch Bertha von Suttner Gymnasium mit folgenden Worten in ihrer Rede die Situation gerettet: „Diese dunkle Zeit liegt nicht einmal 100 Jahre zurück. Umso erschreckender ist es zu sehen, dass die Anzahl antisemitischer Übergriffe jährlich zunimmt und 2023 ein neues Hoch erreichte. Nichtsdestotrotz hat ein wachsender Anteil der deutschen Bevölkerung kein Problem, eine in großen Teilen als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei zu wählen. Eine Partei, deren Mitglieder das dritte Reich als einen „Vogelschiss in der deutschen Geschichte“ und das Holocaust Denkmal in Berlin als ein „Denkmal der Schande“ bezeichnen und nicht davor zurückschrecken in öffentlichen Reden von SA-Parolen Gebrauch zu machen. Zum großen Entsetzen der Mehrheit der deutschen Bevölkerung wird dieses Verhalten von den Wähler*innen nicht geächtet, sondern unterstützt.“

Wir, als VVN-VdA Mitglieder hatten uns anschließend mit Ruth Orland an den Tafeln zu den Gedenkorten Wittenauer Heilanstalt und Anstaltsfriedhof getroffen.  

Abschließend waren wir noch um 13:00 Uhr in der Heinsestraße am Max-Beckmann-Platz (nördlicher S-Bahneingang) zum Gedenken an den Mauerfall und zu einem Zeichen für Demokratie und gegen Rechtsextremismus.

Mit einem gemeinsamen Mittagessen verabschiedeten wir uns. Es wurden noch einige Stolpersteine geputzt um damit die Vergangenheit wach zu halten, denn wach müssen wir bleiben, gegen Hass und Rasissmus!

Klaus Murawski

Hier der Redebeitrag von Neva F.:

„Sehr geehrte Anwesende,
Als ich letztes Jahr das erste Mal in meinen Geschichts-LK kam, hat mein
Lehrer gesagt: „Geschichtswissen ist wie ein Rückspiegel beim Autofahren. Will man sicher
fahren, sollte man dann und wann einen Blick zurückwerfen.“


Wir haben uns heute hier versammelt, um gemeinsam einen Blick zurückzuwerfen. Der neunte November ist wohl einer der symbolträchtigsten Tage in der deutschen Geschichte. Er steht für die Geburt einer Republik, den Zusammenbruch
eines Regimes und aber auch für ein Verbrechen, das vor allem an Millionen von europäischen Juden begangen wurde.


Heute vor 101 Jahren versuchte Adolf Hitler in München, gewaltsam die Weimarer Republik zu stürzen. Auch wenn dieser Putschversuch scheiterte, gelang es ihm, sich als Held zu inszenieren, welcher für das „Vaterland“ sogar ins Gefängnis gehen würde. Viele Menschen der damaligen Bevölkerung unterstützten Hitler. Sie unterstützen ihn darin, die erste deutsche Demokratie zu stürzen. Sie unterstützen ihn darin, das Deutsche Reich nach Osten hin zu erweitern und Millionen von Polen, Slawen und anderen Menschen auf brutale Weise zu verdrängen. Und sie unterstützten ihn auch darin, mindestens 6 Millionen Juden und Jüdinnen und andere aus ideologischen Gründen verfolgte Menschen zu ermorden.

Die Reichspogromnacht, die sich in der Nacht vom neunten auf den zehnten November 1938 zutrug, markiert den
Übergang von Diskriminierung zur brutalen Verfolgung von Juden. Die Pogromnacht, von den Nazis und auch heute noch von einigen als Kristallnacht verharmlost, bedeutete den Tod von mindestens 1.300 Menschen, die Verhaftung von mehr als 30.000 Jüdinnen und die Zerstörung tausender Gotteshäuser. Ziel dieses Anschlags war es nicht nur, Jüdinnen und Juden öffentlich zu schänden und ihnen jegliche Existenzgrundlage zu nehmen, um sie aus dem deutschen Wirtschaftsleben auszuschalten, sondern sich gezielt Hass in der Gesellschaft zu schüren. Die von den Nationalsozialisten organisierte und gelenkte Terrornacht gilt als entscheidender Schritt in der Entwicklung zum Holocaust. Ausgeführt wurde dieser nicht nur von SS-, SA- und NSDAP Mitgliedern, sondern auch von zahlreichen deutschen Zivilisten. Viele der verhafteten Jüdinnen und Juden wurden anschließend in Konzentrationslager verschleppt.

Nach der Reichspogromnacht verstärkte das NS-Regime seine Vorbereitungen für die systematische Internierung und Vernichtung der jüdischen Bevölkerung und anderer Minderheiten. Ein Konzentrationslager, das in diesem Zuge entstand, war das Frauenlager Ravensbrück bei Berlin, das wir mit der AG Gedenken bereits mehrmals besucht haben. Heute ist von den Lagerstrukturen nicht mehr viel vorhanden, allerdings kann man sich immer noch gut vorstellen, unter welchen
unmenschlichen Bedingungen die Insassinnen in diesem Lager leben mussten.


Einige der inhaftierten Frauen stammten aus Tschechien, genauer gesagt aus dem Dorf Lidice, unweit von Prag. Nachdem Reinhard Heydrich 1942 ermordet wurde, taten die Nationalsozialisten alles dafür, seinen Tod zu rächen und die Bevölkerung einzuschüchtern, um sie von weiteren Attentaten abzuhalten. Die Bewohner des Dorfes Lidice fielen dieser willkürlichen Rache auf Grund von angeblichen Beweisen zum Opfer. Bevor die Nationalsozialisten ihren grausamen
Racheakt begingen, lebten etwa 500 bis 600 Menschen in dem tschechischen Dorf, nur circa 160 von ihnen
überlebten. Ziel des NS-Regimes war es, das Dorf buchstäblich auszulöschen. Alle Männer, die älter als 15 Jahre waren, wurden vor Ort erschossen, die Frauen wurden in das KZ Ravensbrück deportiert und die meisten Kinder in Transportern vergast. Nur einige wurden zur sogenannten „Umerziehung“ deutschen Familien gegeben.


Nach dem Krieg wurde das Dorf symbolisch wieder aufgebaut, jedoch nicht an originaler Stelle. Dort, wo sich einst Lidice befand, ist heute nichts weiter als eine Wiese, ein Fluss und ein kleiner See übrig. Ab und zu lassen sich noch Gebäudemauern erkennen, die wie ein Mahnmal an das schreckliche Verbrechen der Nationalsozialisten und den
willkürlichen Hass dieser erinnern. Die heute so friedlich daliegende Landschaft bildet einen erschütternden Kontrast zu den Verbrechen, die dort begangen wurden.

Der Arbeitskreis Politische Bildung ermöglicht es der AG Gedenken jedes Jahr, die Gedenkstätte zu besuchen. Ich selbst habe sie bereits zweimal besuchen dürfen. Jedes Mal aufs Neue ist es äußerst schwierig zu verstehen, wie Menschen in der Lage sind, anderen Menschen so hasserfüllt zu begegnen, dass sie nicht vor den schlimmsten Gewaltverbrechen zurückschrecken. Bei unseren Besuchen hatten wir auch die Möglichkeit, mit einem der Überlebenden des Massakers zu sprechen. Doch nicht nur Jiří Pítin teilte seine Geschichte mit uns, sondern
wir hatten dieses Jahr auch die Ehre, mit den Holocaustüberlebenden Margot Friedländer und Albrecht Weinberg zu sprechen.


Margot Friedländer wurde im Juni 1944 verhaftet und nach Theresienstadt deportiert, nachdem sie 15 Monate im Untergrund gelebt hatte. Ihre Mutter und ihren Bruder sah sie nach deren Deportation im Jahr 1943 nie wieder. Nachdem Theresienstadt 1945 befreit wurde, wanderte Margot Friedländer in die USA aus, wo sie bis 2010 lebte. Im hohen Alter kehrte sie jedoch nach Berlin zurück, um, wie sie selbst sagt, für all die Unsichtbaren sprechen zu können, die ermordet wurden.


Auch Albrecht Weinberg kehrte erst im hohen Alter aus den USA wieder nach Deutschland zurück, um junge Menschen über die Verbrechen der Nationalsozialisten aufzuklären und einem in Vergessenheit geratenen dieses Kapitels
entgegenzuwirken. Albrecht Weinberg selbst erlebte die Anfänge der Ausgrenzung der Juden in den 30er Jahren und wurde später nach Auschwitz und Bergen-Belsen verschleppt.


Diese dunkle Zeit liegt nicht einmal 100 Jahre zurück. Umso erschreckender ist es zu sehen, dass die Anzahl antisemitischer Übergriffe jährlich zunimmt und 2023 ein neues Hoch erreichte. Nichtsdestotrotz hat ein wachsender Anteil der deutschen Bevölkerung kein Problem, eine in großen Teilen als gesichert rechtsextrem eingestufte Partei zu wählen. Eine Partei, deren Mitglieder das dritte Reich als einen „Vogelschiss in der deutschen Geschichte“ und das Holocaust Denkmal in Berlin als ein „Denkmal der Schande“ bezeichnen und
nicht davor zurückschrecken in öffentlichen Reden von SA-Parolen Gebrauch zu machen. Zum großen Entsetzen der Mehrheit der deutschen Bevölkerung wird dieses Verhalten von den Wähler*innen nicht geächtet, sondern unterstützt.


Und genau deshalb müssen wir ganz klar zum Ausdruck bringen, dass wir die Zeit des Dritten Reiches nicht vergessen und dass diese hasserfüllte Zeit des NS-Regimes unter keinen Umständen in Vergessenheit geraten darf.


Margot Friedländer hat uns um eins gebeten, eine simple Sache:

Mensch zu sein. Menschen, die andere Menschen akzeptieren, unabhängig von ihrer Religion oder Herkunft. Wir müssen dafür kämpfen, dass die Zeit des Dritten
Reichs niemals in Vergessenheit gerät. Wir werden zeigen, dass wir aus der Vergangenheit gelernt haben

Chronik 2006

H

Jahresrückblick 21.12.2016, geschrieben: Karl-Heinz Jospeph1

„Liebe Kameradinnen und Kameraden, Freunde und Gäste.


Das Jahr 2006 hat gezeigt, dass unser Verband zu Recht besteht und große Verantwortung
zu tragen hat. Die Nazis wollen wieder kommen, eigentlich waren sie noch nie weg. Unter
dem Mantel der Demokratie schreien sie: „Wir sind Nationale-Sozialisten“ und pochen dabei
auf demokratische Rechtsstaatlichkeit. Und Polizei und Justiz geben Rätsel auf. Verboten
werden eher gegen Links ausgesprochen.


In Reinickendorf marschierten die Rechten zum Tegeler Knast, mir wäre lieber, sie wären in
den Knast gewandert. Als Nächstes war ein Treffen in der von Ihnen so genannten
Reichshauptstadt geplant und auch durchgeführt. Sie trafen sich im Märkischen Viertel.
Dem Aufruf aller politischen Parteien gegen Rechts, SPD, CDU, Die Grünen, Linke.PdS und
Gewerkschaften sind meiner Auffassung nach zu wenige Bürger gefolgt. Ist das ein
Ausdruck für „Politikmüdigkeit“?


Am 19. November wurde die VVN-BdA Reinickendorf zur Bildung eines „Runden Tisches“
eingeladen. Vertreter der Grünen. der Falken, der Linken, der Jusos, der WASG und von
Verdi, waren anwesend. Es ging darum, eine Gemeinschaft gegen Rechts zu bilden. Wir die
VVN-BdA Reinickendorf haben zugesagt, im Rahmen unserer Möglichkeiten mit zu
Arbeiten. Ich bitte Euch zu überlegen, wie wir unsere Mitarbeit am „Runden Tisch“
konstruktiv und lebendig gestalten können.


Was haben wir im Jahr 2006 noch gemeinsam erlebt?

  • Im Januar haben wir uns mit dem Thema „DDR – Palästina“ befasst. Der Referent war KlausPolkehn aus Wuppertal.
  • Im Februar war Professor Franke bei uns und las aus seinem Buch „Chirurg in Pankow“ vor.
  • Im April besuchte uns der Publizist Viktor Grosmann und
    schilderte uns seine Flucht aus der amerikanischen Armee in die DDR
  • Im Mai waren wir zum Tag der Befreiung auf dem Russischen Friedhof und legten Blumen nieder. Wir waren auch in Stolpe und gedachten der mutigen jungen Leute im Kriegsjahr1918, die sich zu einer Antikriegskundgebung versammelt hatten
  • Im Juni starteten wir wieder zu einer Fahrt ins Blaue, zum Grillen in die Georg-Kowalski-Heide.
  • Mit Lichtenberger Kameradinnen und Kameraden besuchten wir im Grunewald die Villa der berüchtigten Wannseekonferenz.
  • Im letzten Monat, November las unser Kamerad und Jugendfreund Peter Neuhof aus seinem Buch „Als die Braunen kamen“.

Erwähnen möchte ich noch die von uns in diesen Räumen gestaltete Ausstellung zur
Geschichte der VVN. Ich möchte auch auf die tolle Ausstellung unserer Kameradin Hofmann hineisen.

Auch die hilfreiche Unterstützung und Gestaltung unserer Zusammenkünfte will ich hervorheben. Ich danke Allen; die dazu beigetragen haben.


Der Linken möchte ich für die Gastfreundschaft danken, besonders unserem Lutz und dem Klaus.


Was können wir uns für das Jahr 2007 vornehmen?


Das Wichtigste ist wohl unsere Mitarbeit am „Runden Tisch“.

Darüber hinaus werden wir zum Deutschen Rundfunkarchiv nach Potsdam-Babelsberg fahren.

Im Mai wird wieder ein Termin den jagen. Im Juni oder Juli könnten wir wieder ins Blaue fahren.

Weiter Themen werden sich aus aktuellen Anlässen ergeben.


Bevor ich schließe, möchte ich an unsere langjährige Mitstreiterin Charlotte Buchmann
erinnern, die sich zurückgezogen hat und nun in einem Altersheim lebt. Vielleicht kann sie
die eine oder der andere mal besuchen?


Wir denken auch an unseren Kameraden Fritz, der heute von seiner Frau Abschied nehmen
musste.


Und nun möchte ich unserer Schatzmeisterin Irmgard Rebelski das Wort geben.“

Ende Rückblick 2006 Quelle:


Tagesordnung: Hier ein Beispiel, wie eine Tagesordnung am 16.03.2006 gestaltet wurde:

  1. VVN-BdA Reinickendorf []

Chronik 2005

Liebe Kameradinnen+Kameraden Liebe Gäste!


Heute wollen wir unsere eigenen Referenten sein. Einen kurzen Rückblick 2005 und Vorschau auf 2006
wollen wir Revue passieren lassen.


Wir haben gute Vorträge gehört, Prof. Mühlberg, Prof. Budach, Dr. Keilert, Dr.Coppie, Dr. Fritz
Kuske, Heinz Britsche, Klaus Woiner, Dr.Fremberg, Kurt Helker,Jonni Granzo,Dr.Pietrzinki haben
dazu beigetragen interessante Donnerstage zu gestalten.


Eine Wanderung zum Stolperstein in Stolpe und eine Ehrung am 8.5.2005 auf dem russischem Friedhof
führten wir durch.

Im August fand eine Fahrt an den Werbellinsee , mit Dampferfahrt,
statt. Anschließend Hammeltreiben in Schifferhofe.(Dank Schorch Kowalski)
Ein Vorhaben, Soldatenfriedhof Halbe oder Sachsenhausen zu besuchen, fanden leider nicht statt
Wir Rentner haben mitunter auch Zeitschwierigkeiten


Die Korrespondenz über die Aufstellung eines Ehrenmals oder Anbringung von Schildern
zur Erinnerung an die Ermordeten der Hitlerjauche, mit der Bezirksbürgermeisterin Wanjura sind leider
abgebrochen. Die Bundestagswahl kam dazwischen.


Ein Brief an den Rektor der Humboldtschule, mit der Bitte um ein Gespräch über Hans und Hilde
Coppie, ist auch vom Schulleiter nicht erwidert worden.


Wie ihr seht liebe Freunde es sind noch einige Wünsche offen geblieben, aber ich denke 2006 machen
wir weiter.


Ich möchte euch jetzt noch einige Vorschläge machen :Voraussichtlich im März eine Fahrt zur
Wannseevilla im Mai wieder Stolperstein und russischer Friedhof.


Ich bitte euch um eigene Vorschläge


Ich komme jetzt zum Schluß, denn Dr.Fritz Kuske wird uns von der Vereinigung der VVN-BdA
einen kleinen Bericht erstatten und Schorch Kowalski ein Kassensturz vollziehen.


Ich wünsche Euch allen einen schönen Nachmittag und bleibt gesund oder werdet wieder Gesund.

Datum unbekannt ( ca Ende 2005) Geschrieben Vera Seidel,

Kalender 2025

Im Jahr 2025 erscheint der Kalender „Wegbereiterinnen“ in der 23. Ausgabe.


Seit er 2003 zum ersten Mal erschienen ist, haben wir 276 Frauenbiografien angesammelt. Mehr als 100 HistorikerInnen, PolitikwissenschaftlerInnen, NaturwissenschaftlerInnen, HandwerkerInnen, LehrerInnen und viele andere haben in den Kalendern geschrieben.

Auch 2025 werden wieder zwölf berühmte, bekannte oder zu Unrecht vergessene Frauen aus der emanzipatorischen internationalen Frauenbewegung vorgestellt.
Der Wandkalender ist, wie wir immer wieder hören und lesen, ein wunderbares Geburtstags-, Weihnachts- oder Jahresabschlussgeschenk. Viele bestellen inzwischen ganze Pakete und entziehen sich dem Geschenkerummel dadurch. In Werkstätten, Büros, Wohnzimmern, Küchen, Wohngemeinschaften, Verwaltungen, selbstverwalteten und sozialen Projekten und anderswo hat er seit Jahren einen Ehrenplatz. ProfessorInnen, LehrerInnen, ErzieherInnen, KünstlerInnen und Menschen aus verschiedenen sozialen Bewegungen arbeiten mit den Biografien.

Der Kalender vermittelt „Geschichte für alle“ und gibt Anregungen an verschiedenen Themen weiterzuarbeiten. Das ist in diesen Zeiten der kriegerischen Auseinandersetzungen und der kälter werdenden Welt notwendiger denn je. Denn vieles, was den Wegbereiterinnen widerfahren ist, sollte nie wieder geschehen. Sie haben dafür ein Leben lang gekämpft und nicht aufgegeben.

Wir wollen sie aus der Vergessenheit holen und aus ihren Geschichten lernen.
Der Kalender 2025 im DIN A3-Format mit 12 Wegbereiterinnen der emanzipatorischen Frauenbewegung gibt unter anderem Auskunft über Klara Schabbel, eine Widerstandskämpferin der Roten Kapelle, über die zu Unrecht vergessene Tony Breitscheid, die früh für die Rechte der Arbeiterinnen und das allgemeine Wahlrecht für alle gekämpft hat, über die Inderin Tarabai Shinde, eine der ersten indischen Feministinnen, und über neun andere
bekannte und leider weitgehend vergessene Frauen aus der ganzen Welt.

Gisela Notz,

Mit halber Kraft voraus – Bericht von der MV der VVN/VdA am 26.04. und 27.09.1997

Die Mitgliedervollversammlung, die wiederum im Zeichen des50. Jahrestages der VVN-Gründung stand, wurde durch einen informativen und zum Nachdenken anregenden Vortrag des IVVdN-Vorsitzenden Fred Dellheim zur Geschichte der VVN in der SBZ und DDR eröffnet.

Foto: Archiv der VVN-VdA


Mit der Mitgliedervollversammlung am 27.09.1997 wurde die Mitgliedervollversammlung vom 26.04.1997 fortgesetzt. In dieser wurde beschlossen, den von Stefan Krause und anderen Mitgliedern eingebrachten Initiativantrag zur Kündigung der Büroräume in der Boddinstraße und der Anmietung neuer kleinerer und kostengünstiger Räume ausführlich zu beraten.“


Nachruf: Peter Lind

Quelle: Nachruf der EVG

Die VVN-VdA trauert um ihren Kameraden Peter Lind

Unser langjähriges und engagiertes Mitglied Peter Lind ist verstorben. Er hat sich bis zuletzt für den Erhalt der antifaschistischen Erinnerung eingesetzt und viele Führungen zu den Verbrechen der Hitler-Diktatur und den Orten des Widerstandes veranstaltet. Er hat 2020 noch die Basisorganisation Tempelhof/Schöneberg mitbegründet und war bis zuletzt im Stadtteil aktiv. Im vergangenen Jahr organisierte er mit der BO die Veranstaltung zum Widerstand der Eisenbahner gegen den deutschen Faschismus und hat dazu referiert. Peter war in Funktionen der Gewerkschaft EVG tätig und konnte so sein antifaschistisches Engagement in beiden Organisationen verbindend einbringen.

In der VVN hat er sich eingemischt in die schwieriger gewordene Diskussion um eine gemeinsame Position für Frieden und gegen den Krieg. Wir haben einen weltoffenen und kritischen Gesprächspartner verloren, dem wir zu großen Dank verpflichtet sind. Er wird uns fehlen.

Für den Vorstand der VVN-VdA und die BO Tempelhof/Schöneberg

Christine Kohl

Oktober 2024


Nachruf der EVG:


EISENBAHNER IM WIDERSTAND

Aus dem Referat von Peter Lind, gehalten am 17.05.2023

„Liebe Gäste, das Thema Eisenbahnerwiderstand gegen das Naziregime wäre ein Thema, über das man tage- und wochenlang referieren könnte, wir das aber heute, bedingt durch den engen Zeitrahmen nicht ableisten können. So wird das jetzt ein Parforceritt, für das ich mich einfach mal entschuldigen möchte, aber ich will versuchen in einigen Aspekten einen Einblick in die umfassende Thematik zu geben. Immerhin gehörte der Eisenbahnerwiderstand mit zu den stärksten Widerstandsbewegungen in Deutschland, wenngleich es sich nicht immer um eine einzige, reichsweit zentral gesteuerte Organisation handelte. Der Widerstand gliederte sich in mehrere Zentren, deren Verbindungen zueinander geringer waren. Hauptzentren des Widerstands dürften das Rhein-Main-Gebiet, der süd-westdeutsche Raum, das Gebiet um Frankfurt/Main, Hamburg, Sachsen, sowie der Berliner Raum gewesen sein. Aber auch in kleineren Bereichen bildeten sich Widerstandszellen wie in Cottbus und Magdeburg. In all diesen Gebieten waren es vor allem die Werke, in denen sich organisierte Widerstandsgruppen bildeten. Gemessen an der Gesamtbevölkerung ist der Widerstand allerdings, wie fast überall eher marginal gewesen.„

Weiterlesen hier:


Berliner Appell: Gegen neue Mittelstreckenwaffen und für eine friedliche Welt

Der folgende Berliner Appell wurde bei der Demonstration am 3. Oktober 2024 verlesen. Wir werben nun dafür, dass er von möglichst vielen Menschen unterschrieben wird.



Zur Online-Unterzeichung: https://nie-wieder-krieg.org

Der Appell kann auch als PDF-Datei für Unterschriftensammlungen an Info-Tischen oder im eigenen Bekanntenkreis heruntergeladen werden: https://nie-wieder-krieg.org/wp-content/uploads/2024/10/Berliner-Appell-Unterschriftenblatt.pdf . Bitte sendet auf Papier gesammelte Unterschriften an die Initiative „Nie wieder Krieg – die Waffen nieder“, Postanschrift: c/o IPB, Marienstraße 19/20, 10117 Berlin.

Werner-Seelenbinder-Ehrung 20.10.2024

Inhaltsverzeichnis

Übersicht über die Aktivitäten im Werner-Seelenbinder-Jahr 2024 hier

Alle gemeinsam gegen den Faschismus

So standen am Sonntag dem, 20.10.2024 alle zusammen, etwa 200 Menschen, auf der Gedenkveranstaltung zum 80. Todestag Werner Seelenbinders, Kommunisten unterschiedlicher Schattierungen neben Sozialdemokraten, Grünen oder Parteilosen, Menschen aus Bündnissen, Organisationen, Sportler und Künstler, Junge und Alte. Einige waren mit ihren Infotischen, Sportmatte, Bastelmaterial, Instrumenten und Stimmen gekommen, um ihre Arbeit zu präsentieren. So auch die U15-Mannschaft des SV Tasmania und Muhammed und Abdulaye mit einer Vorführung ihrer Balltechnik. Andere waren einfach da, um zuzuhören, zu diskutieren oder still ihre Blumen am Grab niederzulegen.

„Uns trennt im demokratischen Diskurs vieles untereinander hier insgesamt, und das gehört zu einem pluralen System dazu.“ sagte Bezirksbürgermeister Hikel. „Was uns aber eint, muss der Kampf gegen Antidemokraten sein. Da müssen wir zusammenstehen, da müssen wir uns unterhaken.“

Werner Seelenbinder hat stets mit seiner ganzen Kraft gerungen, nicht nur im Sport auf der Matte, sondern als Kommunist gegen Faschismus und Krieg, für eine bessere Zukunft.

„80 Jahre nach der Hinrichtung Werner Seelenbinders und den Grauen der Nazi-Zeit müssen wir unsere Lehren für heute ziehen. Nie wieder, nie wieder für niemanden! In Werners Gedenken kämpfen wir für die Annehmlichkeiten und Köstlichkeiten, und zwar für alle.“ (Daniel Kipka-Anton, Die Linke)

Ein Dankeschön an alle, die zum Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.

Verfasserin: Gitta


Redebeiträge (Video)

Georg Kreuzer (VVN-VdA)

Videorechte: Ingo Müller


Bezirksbürgermeister Martin Hikel (SPD)

Videorechte: Ingo Müller


Prof. Dr. Oliver Rump (HTW)

Videorechte: Ingo Müller


RA Benedikt Hopmann (VVN-VdA)

Videorechte: Ingo Müller


Daniel Kipka-Anton (Die Linke) für Ferat Koçak

Videorechte: Ingo Müller


Musikalische und sportliche Beiträge

Einstimmung durch Schalmeien-Orchester Fritz Weineck

Videorechte: Ingo Müller


Balltechnik-Vorführung

Balltechnik-Vorführung von Muhammed und Abdulaye (SV Tasmania)

Videorechte: Heiner Bücker (Coop-Anti-War-Cafe)

Nachbearbeitung: Ingo Müller


Querbeet (Klezmer + mehr)

Videorechte: Ingo Müller


Refpolk (linker Rap)

Videorechte: Heiner Bücker (Coop-Anti-War-Cafe)

Nachbearbeitung: Ingo Müller


Fotogalerie

Foto: Gitta, Brigitte und Ingo

Werner Seelenbinder – von RingkämpferInnen geehrt

Inhaltsverzeichnis

Übersicht über die Aktivitäten im Werner-Seelenbinder-Jahr 2024 hier

Einleitung

Das hat es schon lange nicht mehr gegeben: Am 5. Oktober 2024 fand im Werner-Seelenbinder-Sportpark eine großartige Gedenkveranstaltung zu Ehren dieses vorbildlichen Sportlers und Kämpfers (im besten Sinn des Wortes) statt. Mehr als 130 junge Ringkämpferinnen und Ringkämpfer kamen hier zusammen. KampfrichterInnen, TrainerInnen, Eltern und andere Begleitpersonen waren engagiert dabei. Und auch Zuschauer, die als Laien, wie wir, langsam, aber sicher Geschmack an diesem anspruchsvollen Kampfsport fanden, der höchste Anforderungen an Körperkraft und -spannung, aber auch an Konzentration und Intelligenz stellt.

Besonders danken wir Alex Baldauf, ohne den dieses Werner-Seelenbinder-Gedenkturnier nicht zustande gekommen wäre. Möglich wurde das, weil seit einigen Jahren Freundschaft und Vertrauen geschaffen wurde durch die Teilnahme und Darbietungen von Ringern des SC Preußen Berlin an den jährlichen Gedenkveranstaltungen der VVN am Werner-Seelenbinder Sportpark in Neukölln.

Während die Vereine des Berliner Ringer Verbandes die Organisation des eigentlichen Turniers sicher und reibungslos gewährleisteten, durften wir zur (gesunden) Versorgung der SportlerInnen und aller Teilnehmer beitragen. Dazu gehörten nicht nur Speisen und Getränke (wozu auch die „Rote Lilly“ mit ihrem gelungenen Chili beitrug), sondern auch antifaschistische Literatur mit dem Fokus natürlich auf Werner Seelenbinder.

Besonders begeisternd war die Vielzahl der Vereine, die hier antraten und vor allem die Internationalität der jungen KämpferInnen. Wirklich: „Wer zählt die Völker, nennt die Namen, die gastlich hier zusammenkamen“, wie es Friedrich Schiller einmal ausgedrückt hat. Ins Gespräch konnte ich kommen mit Begleitern, deren Muttersprache russisch, ukrainisch, afghanisch, aseri, türkisch, kasachisch war. Verständigung ist möglich, wenn der gute Wille da ist und man noch nicht ganz von der offiziellen chauvinistischen oder rassistischen Propaganda verblendet und verblödet ist. Wie würde dieser Sport leiden, wenn die „Remigrationspläne“ der AfD durchgesetzt würden!! Wie arm würde unser Land werden.

Aus unserer Sicht ist das Turnier ein voller Erfolg, der den Arbeiter-Sportler, Antifaschisten, Widerstandskämpfer und Kommunisten gebührend gewürdigt und Aufsehen bis nach Kuba erregt hat (s. die Rede von Brigitte Renkl). Als zu einer Gedenkminute aufgerufen wurde, erhoben sich alle TeilnehmerInnen von den Plätzen.

Wir dokumentieren die gehaltenen Reden (leider liegt uns die ehrende Rede des Präsidenten des Berliner Ringervereins, Dirk Puhlman, nicht schriftlich vor) und Rückmeldungen von Beteilgten.

Verfasser: VVN-VdA

Wettkampfergebnisse


Fotogalerie

Für die Bilder danken wir Eoghan Sweeney und Guido Paulig.



Rede von Brigitte Renkl (VVN-VdA)

Liebe Sportskameradinnen und Sportskameraden,

herzliches Willkommen hier in Berlin, hier im Werner-Seelenbinder-Sportpark auch von uns, der VVN-Verband der AntifaschistInnen als Mitveranstalter dieses Turniers. Danke, dass Ihr heute zu diesem Turnier gekommen seid, dass Ihr im Gedenken an Werner Seelenbinder Euch messen, kämpfen und siegen wollt.

Von diesem Willen zu kämpfen und zu siegen, davon war ja auch unser Werner Seelenbinder beflügelt. Und das zeigte er nicht nur auf der Matte, sondern in seinem ganzen Leben. Dabei war er kein verbissener Ehrgeizling. Er war ja auch noch Arbeitersportler – das war damals noch eine richtige Bewegung gegen die bürgerlichen und häufig kirchlich gebundenen Sportverbände. Arbeitersportler zu sein verpflichtete ihn, im Gegner auch den Kollegen zu sehen. Und er war ja auch noch Kommunist. Das verpflichtete ihn dazu, nicht nur das eigene Land zu lieben, sondern solidarisch sich zu verbinden mit Kämpfern, die nicht im Wohlstand leben, mit Kämpfern auch anderer Länder und Nationen, Hautfarben, Sprachen. Er war ja auch noch Antifaschist. Das verpflichtete ihn dazu, auf der Seite von diskriminierten und verfolgten Sportlern zu stehen und er war Widerstandskämpfer gegen die Nazis. Das hieß bereit sein, Alles zu opfern, den erreichten Ruhm und das Leben einzusetzen, für das höhere Ziel: Faschismus und Krieg ein Ende zu setzen. Die Nazis ermordeten ihn mit dem Fallbeil am 24. Oktober 1944 im Zuchthaus Brandenburg an der Havel.

Erhebt Euch bitte für ein kleines, kurzes stummes Gedenken an Werner Seelenbinder!

Wir, von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Verband der AntifaschistInnen, glauben daran, dass das Andenken an Werner Seelenbinder von großer aktueller Bedeutung sein kann. Nicht nur für unser Turnier hier, das von Euch vollen Einsatz fordert auch im Sinn von gegenseitigem Respekt und von Solidarität. Er kann auch Vorbild sein angesichts der gerade laufenden Kriege und der Gefahr bei uns, dass mit dem Elend von Flucht und Vertreibung hierzulande wieder versucht wird, den Hass gegen Ausländer, Fremde und andere Völker zu schüren. Werner Seelenbinder kann helfen, immer wieder daran zu erinnern: Ringen, Euer Sport, ist nicht nur Körper und Kraft. das Herz schlägt und der Verstand arbeitet und sie hören nicht an der Matte auf. Denken und Fühlen können Euch leiten im Kampf gegen Faschismus und Krieg.

Unser Turnier hat auch international und in der großen Sport-Welt Aufmerksamkeit erzeugt. Es ist bis nach Kuba gedrungen, dass heute hier zu Ehren von Werner Seelenbinder gekämpft wird. Der berühmte Ringkämpfer Mijaín López Núñez, auch El Gigante genannt, übermittelt uns durch das „Internationale Komitee für die Freundschaft zwischen den Völkern“ (ICAP) Grüße an die jungen Kämpferinnen und Kämpfer in Berlin im Gedenken an den unvergessenen Werner Seelenbinder, der In Kuba noch durch die Verbindung zur DDR berühmt war und ist. Eine Videobotschaft von ihm kam leider wegen der völkerrechtswidrigen Blockade Kubas durch die USA nicht zustande. Mijaín López ist – wer es noch nicht wissen sollte – nicht nur Olympiasieger in Paris 2024 in der 130 kg- Klasse – griechisch-römischer Stil. López gilt weithin als einer der größten Ringer aller Zeiten und ist fünfmaliger olympischer Goldmedaillengewinner, fünfmaliger Weltmeister und fünfmaliger Sieger der Panamerikanischen Spiele.

Und noch eines bevor Ihr in den Kampf geht. Es wird auf diesem Turnier nicht nur Sieger geben. Denen die eine Niederlage kassieren, möchte ich aber Mut machen mit zwei Wahrheiten, die auch Werner Seelenbinder kannte: „Aus Schaden wird man klug!“ und „Die Niederlage ist die Mutter des Erfolgs!“ In diesem Sinn: Drauf und dran! Auf geht’s!


Rede von Alex Baldauf

Disclaimer: Ich habe sehr komplizierte Zusammenhänge sehr stark vereinfacht und sehr sehr viel weg gelassen.

Vorgeschichte

Um zu verstehen, warum wir heute Werner Seelenbinder so sehr respektieren, ist es notwendig, zwei Weltkriege in die Vergangenheit zu schauen.

Vor dem Ersten Weltkrieg fanden wir die Situation vor, die sich kaum geändert hat:

Die Arbeiter und Bauern – und zu dem Zeitpunkt die Hälfte der Weltbevölkerung: Frauen – waren ohne Rechte und sozusagen Besitz der Fabrikbesitzer. Auch Eigentümer von Minen oder in großen Landwirtschaften verfügten über Millionen von Arbeitern, die in Armut lebten. In den USA und vielen anderen Ländern gab es sogar Sklaven.

Der Fortschritt in der Kriegstechnik also bei Gewehren, Kanonen, Schiffen, Flugzeugen und Fahrzeugen ging parallel mit dem Fortschritt in der Bildung und Wissenschaft. Zunächst aber sollte der erste Weltkrieg, der von Deutschland begonnen wurde, die Arbeiter und Bauern zu Soldaten machen. Etwa 70 Millionen Menschen aus 40 Staaten kämpften gegeneinander im Auftrag der Supermächte. 17 Millionen Menschen wurden dabei sinnlos getötet.

Das waren vor Allem Männer. Wenn diese als Soldaten getötet wurden, mussten die Frauen ihre Aufgaben übernehmen und auf den Feldern in den Fabriken, Minen. Und natürlich kümmerten sich die Frauen um die Kinder, die Verwundeten, die Alten. Viele Männer waren tot, traumatisiert oder verletzt.

In dieser Zeit also war Werner Seelenbinder 1904 geboren und erlebte den 1. Weltkrieg als Teenager. Er kannte Hunger, Tot und Elend, denn er gehörte zu den armen Menschen. Trotzdem fand er in dieser Zeit zum Ringkampf. Mit 13 Jahren begann er hier in Berlin mit dem Ringen. Aber er ging auch zur Schule und musste arbeiten. Er wurde Kommunist. Das war damals eine mächtige Idee, die die Befreiung von der Unterdrückung versprach. Millonen von Arbeitern und Soldaten waren Beteiligt an Revolutionen. Sie wollten sich nicht mehr ausbeuten lassen.

Als Werner Seelenbinder mit dem Ringen begann, war im gleichen Jahr die Oktoberrevolution, die in Russland zum Tot der Herrscher führte und die Sowjetunion begründete. Als er 14 Jahre alt war, wurde auch in Deutschland der Kaiser durch die Novemberrevolution abgeschafft. In Deutschland gab es Räterepubliken und Demokratie und die Kommunisten hatten Parteien und viele andere Organisationen. Es herrschte sogar Bürgerkrieg in Deutschland, als die Räterepubliken, die von Arbeitern und Soldaten verteidigt wurden, von den Gegnern und dem deutschen Staat zerschlagen wurden.

Kommunisten waren also zwischen den Weltkriegen eine wichtige Gruppe unter der Bevölkerung. Werner Seelenbinder war zu der Zeit kommunistischer Arbeiter und Sportler. Er engagierte sich in den politischen Gruppen. Damals gab es kein Internet und alle Informationen, Meinungen und Befehle mussten gedruckt auf Papier getauscht und verteilt werden. Bei diesem Informationsfluss spielte er eine wichtige Rolle, weil er als erfolgreicher Ringer in andere Länder reisen konnte. Er war ein Kurier, der illegale Botschaften schmuggelte. Er trug damit zur Weiterbildung und Meinungsbildung der kommunistischen Bewegung bei.

Ich komme zu einer Geschichte aus dieser Zeit.

Auszug aus dem Buch „Der Stärkere“ von Walter Radetz

Zurück zum Gedenken

Diese Geschichte aus den früheren Zeiten seiner Arbeit im Widerstand gegen die Nazis zeigt anschaulich, wie hart die Nerven sein müssen, wenn man sich einem Regime entgegen stellt.

Andere Ringerschicksale aus der Zeit wurden mir im Vorfeld der Veranstaltung berichtet. Zum Beispiel wurde der Reichstagsabgeordnete der Kommunistischen Partei, der auch im illegalen Widerstand war, Franz Stenzer, schon 1933 im Konzentrationslager ermordet. Seine Enkelin berichtete: Auch er war Ringer.

Die andere Geschichte eines Jugendlichen im Faschismus geht folgendermaßen: „Mein Vater, Otto Ernst Priewe, war auch Ringer. Da er in seiner Altersklasse alle Kämpfe gewann, wurde er als 14-Jähriger zum Sportverein Danzig beordert. Er sollte Danzig bei der Gau-Meisterschaft vertreten. Er wurde im Büro stundenlang unter Druck gesetzt, um ihn vorher zum Eintritt in die Hitlerjugend zu bewegen. Dann schlugen die Nazifunktionäre auf ihn ein bis er die Besinnung verlor. Eine ältere Frau fand ihn auf der Straße liegend, nahm ihn mit nach Hause und benachrichtigte die Verwandtschaft. Damit war seine sportliche Karriere – außer den ständigen Kloppereien mit der Hitlerjugend – beendet.“

Im zweiten Weltkrieg war die illegale Arbeit noch gefährlicher: Überall wurde gespitzelt, denunziert und die „Geheime Staatspolizei“ wurde massiv ausgebaut. Er engagierte sich trotz alledem im Widerstand. Er wurde 1942 verhaftet. Die ganze Widerstandsgruppe um Robert Uhrig und Alfred Kowalke wurde zerschlagen, deren Teil er gewesen sein soll. Vor seiner Hinrichtung, ein halbes Jahr vor Kriegsende 1944, hat er folgende Abschiedsworte formuliert:

„Die Stunde des Abschieds ist nun für mich gekommen. Ich habe in der Zeit meiner Haft wohl alles durchgemacht, was ein Mensch so durchmachen kann. Krankheit und körperliche und seelische Qualen, nichts ist mir erspart geblieben. Ich hätte gerne gemeinsam mit Euch, mit meinen Freunden und Sportkameraden, die Köstlichkeiten und Annehmlichkeiten des Lebens, die ich jetzt doppelt zu schätzen weiß, nach dem Krieg mit Euch erlebt. Es waren schöne Stunden, die ich mit Euch verlebt habe, und ich habe in meiner Haftzeit davon gezehrt und mir diese herrliche Zeit zurück gewünscht. Das Schicksal hat es nun leider nach langer Leidenszeit anders bestimmt. Ich weiß aber, daß ich in den Herzen von Euch und auch bei vielen Sportanhängern einen Platz gefunden habe, den ich immer darin behaupten werde. Dieses Bewusstsein macht mich stolz und stark und wird mich in letzter Stunde nicht schwach sehen.“

In diesem Sinn ist unser Turnier zum Gedenken an die Ermordung vor 80 Jahren eine Beitrag, dass nicht nur der Mann Werner Seelenbinder in Erinnerung bleibt, sondern auch der Ringer und der kommunistische Widerstandskämpfer. Auch die Sache für die er sein Leben einsetzte, sollten wir nicht vergessen. Wenn man die aktuelle Entwicklung in der Welt und in Deutschland betrachtet, erscheint es nicht unwahrscheinlich, dass auch wir Widerstand leisten müssen. Es wird darum gehen die Ausbeutung der Menschen und unserer Erde, den Grauen von Krieg und Unterdrückung zu beenden.


Zusammenfassung Alex Baldauf

  • Am 05. Oktober 2024 gedachte der BRV zusammen mit vielen Sportlerinnen und Sportlern der Ermordung Werner Seelenbinders durch die deutsche Justiz der Nazi-Zeit. Nach einigen Jahren in Gefängnissen und Konzentrationslagern wurde der berühmte Ringer hingerichtet, weil er im Nationalsozialismus im Widerstand gearbeitet hat. Aber schon vorher war der kommunistische Arbeitersportler als Kurier tätig und fiel den Oberen der Diktatur auf, weil er den Hitlergruß verweigerte. Nur dank seiner großen Popularität durfte er weiter trainieren und kämpfen. Vor 120 Jahren wurde Werner Seelenbinder geboren und hat mit 13 Jahren das Ringen zunächst in Berlin-Lichtenberg begonnen und später in Neukölln bei dem noch heute existierenden Sportverein Berolina 03 trainiert und gekämpft.
  • Das Gedenkturnier war für Sportlerinnen und Sportler von Mittel- bis Norddeutschland attraktiv, weil es einem seltenen Altersschnitt gerecht wurde: In den Klassen U12 bis U17 gab es teils ausgesprochen anspruchsvolle Kämpfe sowohl für Jungen als auch Mädchen. Auch junge Deutsche Meister mussten hier Federn lassen und kamen an ihre Grenzen.
  • Für einen solch denkwürdigen Anlass waren wir Teil einer großen Kooperation. Ideengeber und Sponsor war die „Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Verband der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-VdA)“, die zudem einen Info-Tisch bereitstellten und ein modernes und gesundes Catering organisierten. Der SV Preußen zog aus allen drei Stützpunkten Matten und Ausrüstung zusammen und veranstaltete das Turnier in fremdem Revier in der Neuköllner Bezirkssporthalle, die nach Werner Seelenbinder benannt ist. Insbesondere der TSP Hohenschönhausen hat mit vielen engagierten Freiwilligen ein ansprechendes Turnier organisiert. Das Wettkampfbüro wurde von unseren Sportfreunden aus Mecklenburg-Vorpommern, Familie Labudde, reibungslos und professionell auf die Beine gestellt. Der Grüne Campus Malchow unterstützte das Turnier mit Technik und anderen Ressourcen.
  • Wir nutzen die Gedenkstunde vor dem Turnier auch zu Ehrungen von herausragenden KämpferInnen.
  • Abschließend sei eine Besonderheit erwähnt: Entgegen unserer prinzipiellen unpolitischen Herangehensweise an den Sportbetrieb, wurde bei dem Turnier auch aktuelle Propaganda von kommunistischen Jugendorgansiationen gezeigt. Werner Seelenbinder war eben nicht nur Ringer, sondern wurde für sein politisches Engagement und seinen antifaschistischen Kampf enthauptet. Das Turnier hatte den Anspruch, Werner Seelenbinders überlieferter Haltung Ausdruck zu verleihen und Anknüpfungspunkte in der Gegenwart zu suchen.

Leserbrief aus Hohenschönhausen

Liebe Sportfreund*innen,

als ich vor einem Jahr ungefähr mit den Engagierten von der VVN-VdA überlegt habe, wie wir den 80. Jahrestag der Ermordung Werner Seelenbinders und damit all den Opfern des Nationalsozialismus gedenken können, war ich von einem viel kleineren Turnier ausgegangen. Die Idee wuchs mit der Zeit und die Neuköllner Bezirkssporthalle brachte eine Reihe logistischer Herausforderungen mit sich, die wir mit Bravour gemeistert haben. So viele von euch haben zwei lange Tage mit einer Freude und einem persönlichen Einsatz Hand in Hand gearbeitet, dass wir einen sehr reibungslosen, professionellen und anspruchsvollen Wettkampf durchgeführt haben. Es gab ausschließlich! positives Feedback von allen! Menschen, mit denen ich gesprochen habe. Das Niveau der Ringkämpfe war überwiegend ausgesprochen hoch, aber wir haben eine Gelassenheit und Disziplin im Turnier gehabt, die viel größeren Veranstaltungen in nichts nachsteht. Im Kern hat unsere Hohenschönhauser Gemeinschaft gezeigt, was für große Projekte ein paar Menschen mit einem Ziel auf die Beine stellen können. Ein Wettkampf in unserer Halle wird uns im Vergleich spielend von der Hand gehen. Wir dürfen uns fragen, ob wir die Tradition der Osterturniere, die zuletzt auch unser Trainingsstützpunkt ausgerichtet hat, fortführen, oder ob wir eine neue Tradition mit Gedenkturnieren für Werner Seelenbinder begründen. Der SV Buch hat mit dem zu früh verstorbenen Peter Mandelkow viele Jahre hier die Fahne hoch gehalten. Die Stahlheimer Straße entstand durch unseren Vorgängerverein „Empor Werner Seelenbinder“ und Karow ist ein Nachfahre des „Dynamo TZ Robert Uhrig“, benannt nach der Widerstandsgruppe, die mit Werner Seelenbinder ausgehoben und deren Mitglieder hingerichtet wurden. Wie man sich in der Wendezeit dem „Polizeisportverein Preußen“ anschließen konnte, der bald in SV Preußen umbenannt wurde, erschließt sich mir schwer. Trotzdem gibt es einen seit Jahrzehnten vorhandenen roten Faden, den wir bei den Gedenkveranstaltungen am Grab schon seit ein paar Jahren aufgegriffen haben. Vielleicht wollen wir einen Info-Stand beim diesjährigen Gedenken am 20.10. organisieren, bei dem wir Bilder und Eindrücke unseres Turniers teilen, uns treffen und für die Zukunft planen? Auch um die frischen Eindrücke mitzunehmen, aber vor allem, um Verbesserungswürdiges zu finden, schlage ich ein Treffen vor. Wir haben noch heiße Schokolade und Brause, die wir mit ein paar Snacks nach dem Training bei einer Runde Prellball zu uns nehmen könnten. Ich schlage übernächsten Freitag vor, also den 18. Oktober. Dann ist der 20. nicht weit…


Werner-Seelenbinder-Jahr 2024

In diesem Jahr haben wir in Neukölln ein besonderes Gedenken.

Am 2. August vor 120 Jahren wurde der Ringer, Kommunist und Widerstandskämpfer Werner Seelenbinder geboren und am 24. Oktober vor 80 Jahren von den Faschisten ermordet. Traditionell organisiert die VVN-VdA-Neukölln jedes Jahr an einem Sonntag um den 24. Oktober herum eine Gedenkfeier am Grab von Werner Seelenbinder mit Reden, Musik, Ringer-Vorführungen und dem Niederlegen von Blumen.

In diesem Jahr haben wir einige Veranstaltungen geplant, um diesen mutigen Antifaschisten in Neukölln bekannter zu machen.

Ausstellung und Lesungen

Am 6. Juni hatten wir eine Ausstellungseröffnung zu Werner Seelenbinder in der Helene-Nathan-Bibliothek organisiert. Die Ausstellung wurde von Prof. Dr. phil. Oliver Rump mit seinen Studenten der HTW erstellt. Die Ausstellung war dort einen Monat lang zu sehen sein und von 3 Buchlesungen begleitet. Am 13.06. las Martin Krauß aus seinem neuen Buch, besonders aus dem Kapitel zum Arbeitersport. Am 19.06. wurde das Buch von Friedel Schirm, einer Weggefährtin Werner Seelenbinders, von uns vorgestellt. Und zum Schluss las am 27.06. Matthias Heisig über das schwierige Gedenken, aus dem Buch über Werner Gutsche, der einen großen Anteil daran hatte, dass das Sportstadion 2004 seinen Namen „Werner Seelenbinder“ zurückbekommen hat. In der Zeit 5.9. bis 18.10. ist die Ausstellung in Potsdam zu sehen.

Einladungsflyer Ausstellungen: Neukölln * Potsdam

Radtour

Am 07.07. gab es eine Fahrradtour durch Neukölln und Kreuzberg zu einigen Punkten, die mit dem Leben Werner Seelenbinders und seiner Zeit zu tun haben.

Info-Tafel

[Informationstafel, Sep 2024]

Seit dem 30.9. ist auch die Gedenk- und Informationstafel am Eingang des Werner-Seelenbinder-Sportparks zu besichtigen. Sie war im Juli 2017 von der Bezirksverordnetenversammlung beschlossen worden (BVV-Drucksache 0140/XX) und entstand als Zusammenarbeit zwischen Karin Korte (Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport), Prof. Dr. Oliver Rump (Museologe, HTW Berlin), Matthias Heisig (Historiker) und der VVN-VdA.

Ringerturnier

Foto: Eoghan Sweeny

Am 05.10. gab es ab 9:30 Uhr in der Werner-Seelenbinder-Halle in der Oderstraße das erste große Ringer-Gedenkturnier der Kinder und Jugendlichen (12-17 Jahre). [mehr]

Ehrung zum Todestag

Infostände 2024, Foto: Ingo Müller

Als Höhepunkt dieses Werner-Seelenbinder-Jahres fand am 20.10. die Gedenkveranstaltung anlässlich seines Todestages statt. Erstmals gab es nicht nur Reden und Musik, sondern auch Infostände vieler antifaschistisch bewegter Menschen und Gruppen. Sie boten Gelegenheit, bei einem Kaffee und einem Stück Kuchen miteinander ins Gespräch zu kommen. An vielen Ständen wurden außerdem Aktivitäten wie Spielen, Basteln, Quiz, Sport, usw. angeboten, damit Kinder und Jugendliche auch auf einer anderen Ebene etwas zu dem Thema erfahren können. [mehr]

Einladungsflyer Turnier und Ehrung


  • Martin Krauß; Dabei sein wäre alles – Wie Athletinnen und Athleten bis heute gegen Ausgrenzung kämpfen – Eine neue Geschichte des Sports; C. Bertelsmann; München 2024; ISBN 978-3-570-10547-4
  • Friedel Schirm; 33 Monate – Erinnerungen an Werner Seelenbinder; Militärverlag der DDR; Berlin 1984
  • Frieder Böhne, Matthias Heisig; „Da müsst ihr euch mal drum kümmern“ – Werner Gutsche (1923-2012) und Neukölln – Spuren, Erinnerungen, Anregungen; Metropol Verlag; Berlin 2016; ISBN 978-3-86331-322-7