Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt

Rund 150 in Berlin lebende Jüdinnen und Juden, darunter die Schriftstellerinnen Eva Menasse, Irene Dische, Deborah Feldman und Esther Dischereit, Musikerin Merrill Nisker alias Peaches und die Philosophin Susan Neiman, haben am Donnerstag, den 24. September 2026, einen offenen Brief veröffentlicht, in dem sie Anschuldigungen gegen die Partei Die Linke wegen Antisemitismus als politische Instrumentalisierung zurückweisen und eine Linke-Grüne­-SPD-Koalition unterstützen:


Offener Brief: Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt

Berlin, den Tag nach der Wahl

Wir sind Berliner Jüdinnen und Juden und kommen aus unterschiedlichen Milieus; wir beten in unterschiedlichen Synagogen oder gar nicht; wir wählen unterschiedliche Parteien – und wir schreiben diesen Brief, weil wir in den vergangenen Wochen immer wieder dieselbe Behauptung gehört haben: Die Linke sei gefährlich für Juden, eine Koalition unter ihrer Beteiligung ein Sicherheitsrisiko für unsere Gemeinden. Wir widersprechen dieser Darstellung – nicht, weil wir die Sorgen kleinreden, sondern weil wir sie ernster nehmen, als es plakative Warnungen tun.

In einer Zeit, in der eine teilweise offen faschistische Partei quer durch Deutschland auf dem Weg zur Macht ist, entziehen sich die großen Publikumsmedien und (wichtige) Teile unserer eigenen jüdischen Gemeinschaft ihrer Verantwortung, wenn sie weiterhin so tun, als würde die Linke die größte Gefahr für jüdische Sicherheit darstellen. Wie alle Arten von Ressentiment und Vorurteil tritt auch der Antisemitismus in vielen verschiedenen Teilen der Gesellschaft auf. Und genau wie die anderen Formen von Gruppenhass wird er dort am gefährlichsten, wo er mit rechtsextremer Ideologie und mit den antidemokratischen Tendenzen und Konflikten zusammenfällt, die sich manchmal auch gewaltsam auf unseren Straßen Bahn brechen. Dass gerade die Linken ständig des Antisemitismus beschuldigt werden, ist nicht nur eine zynische politische Instrumentalisierung, sondern setzt beinahe jede Kritik an der israelischen Politik mit Antisemitismus gleich. Diese Flut an Anschuldigungen zielt darauf ab, andere Meinungen zu unterdrücken und das internationale Völkerrecht auszuhöhlen. Vor dem Hintergrund des überall anschwellenden Antisemitismus ist es nicht einfach eine neutrale Beobachtung, eine demokratische linke Partei herauszugreifen, sondern ein politisches Instrument, um Aufmerksamkeit ab- und umzulenken.

Uns beschäftigt etwas anderes mindestens genauso: Wie werden wir – und alle Berlinerinnen und Berliner – in dieser Stadt in den nächsten fünf Jahren leben? Steigende Mieten treffen jüdische Familien genauso wie alle anderen. Prekäre Beschäftigung, überlastete Schulen, ein Gesundheitssystem am Limit, wachsende soziale Spaltung – all das erzeugt genau jene gesellschaftlichen Spannungen, die auch den Judenhass fördern. Wer soziale Missstände ignoriert, überlässt das Feld denen, die immer als erstes nach Sündenböcken suchen. Eine Stadtregierung, die bezahlbaren Wohnraum sichert, öffentliche Daseinsvorsorge stärkt und soziale Ungleichheit spürbar reduziert, tut mehr für den gesellschaftlichen Zusammenhalt – und damit auch für unsere Sicherheit! – als bloß eine demokratische Partei auszugrenzen.

Deshalb sagen wir: Die klar bessere Wahl für diese Stadt, auch für uns Juden, ist eine Koalition, die das sozialökonomische Programm ernst nimmt, das jetzt so dringend gebraucht wird. Nicht weil wir alle Positionen in der Linken oder irgendeiner anderen Partei teilen – das tun wir nicht, und wir werden weiter kritisch bleiben, wo es nötig ist. Sondern weil eine rot-rot-grüne Koalition die Kraft hat, die materiellen Ursachen gesellschaftlicher Spannungen anzugehen, während eine Fortsetzung des Status quo oder ein Rechtsruck diese Spannungen nur verschärfen würde.

Wir bitten die künftige Regierende Bürgermeisterin und ihre Koalitionspartner um zweierlei: Nehmen Sie unsere Sicherheit als das, was sie ist – eine rote Linie, keinen zynischen Spielball für Propaganda. Und nehmen Sie unsere sozialen Nöte ebenso ernst wie die aller anderen Berlinerinnen und Berliner. Beides gehört zusammen. Eine Stadt, die gerechter wird, wird zu einer Stadt, in der auch wir sicherer leben.

Berliner Jüdinnen und Juden für eine soziale und sichere Stadt


Erstunterzeichner*innen

Nimrod Adam, Technologist * Udi Aloni, Film maker * Hila Amit, Autorin * Nadav Avruch * David Bakum * Gal Bar Nisan * Raz Bdv * Susanne Beer * Eliana Ben-David * Gilad BenDavid * Vered Berman, Ansprechperson zu Antisemitismus, Alice-Salomon-Hochschule * Dr. Sanders Isaac Bernstein * Michelle Bernstein, Yiddishist / Filmmaker / Writer * Raquel Elena Blum * Jacob Blumenfeld * Assaf Bondy * Julia Bosson, Editor-in-Chief, the Diasporist * Micah Brashear, Lehrer (AdL) * Amos Brison * Dalia Castel * Arun Chaudhary, Former Videographer for Barack Obama * Gal Chen, Analyst * Jordan Coll * Ben Cruchley, Musiker * Irene Dische * Emily Dische-Becker * Esther Dischereit, Schriftstellerin * Guli Dolev-Hashiloni * Tomer Dotan-Dreyfus, Autor, Publizist * Danit Dottan * Nika Dubrovsky, Director of David Graeber Institute * Michael Dunajevsky * Walter Einat * Max Elias * Debby Farber, Curator and researcher * Deborah Feldman, Autorin, Publizistin * Dr. Noa Feldman * Orsolya Ferenczi * Nimrod Flaschenberg, Israelis für Frieden * Ruth Fruchtman, Autorin * Dr. Yael Gaulan * Tom Givol * Dr. Michal Givoni * Harry Glass, Executive Director, Berlin Atonal * Milena Glimbovski, Unternehmerin, Autorin * Maya Gorkin * Scott Grabell, Varietè Artist * Dr. Shany Grossman * Assaf Gruber, Artist and filmmaker * Nia Grünberg * Maya Guttmann * Karen Emma Haber, Schriftstellerin * Michal Halevy * Gali Har-Gil * Camille Hausken-Brates * Iris Hefets, Psychoanalytikerin * Naomi Heimann * Rafael Heimann * Rotem Heyman * Alma Itzhaky, Künstlerin * Hori Izhaki * Sarah Milena Jochwed * Michal Kaiser-Livne, Psychoanalytikerin * Noy Avinoam Katsman * Dr. Jordan D. Klein * Sonja Knüppel * Oded Korach * Omer Krieger, Artist * Na’ama Landau * Josef Laor * Jacob Lefton * Shay Lerner * Avisar Alon Lev * Naomi Levari * Nadine Levin * Dr. Romm Lewkowicz, Research Fellow, Max Planck Institute * Eyal Li * Shelly Lieber * Rapha Linden, Writer * Adi Liraz * Shoshana London Sappir * Dr. Jossef Loss * Avital Lutzky, Educator * Itamar Mann * Naomi Mark * Dr. Asher J. Mattern, Rabbiner * Eva Menasse, Schriftstellerin * Yael Merlini, Lehrerin * Dr. Ben Miller, Historiker, Autor; Vorstand, Schwules Museum * Yonatan Miller, Gewerkschafter * Elya Milner, PhD * Irit Mogilevsky * Laura Moser, Writer * Irit Naaman, Teacher * Etay Naor * Prof. Susan Neiman, Director Emerita, Einstein Forum/Senior Fellow, New York University * Merrill Nisker, Musician * Noki Olchovsky * Eli Osheorff * Shlomo Owen * Jonathan Peaceman, freier Journalist * Noam Perry * Einat Podjarny * Avraham Ramati * Tamar Raphael, Schriftstellerin, Lehrerin * Adam Raz, Historian * Prof. em. Dr. Fanny-Michaela Reisin * Theresia Rexeisen * Emilia Zenzile Roig, Author * Ron Rothschild * Robert Rotifer, Journalist und Musiker * Ryan Ruby, Writer * Gaia Saati * Dror Sadot * Alon Sahar, Founder, Staatsräson Monitor * Ravit Sandler Jaffe * Naftali Sappir * Michael Sappir, Writer * Tali Schaefer * Eran Schaerf, Artist * Feli Schuler, Studentin * Ben Schuman-Stoler, Kollo Media Founder, HEIST Founding Publisher * Charlotte Sebes * Jonathan Shamir * Nil Shani * Mati Shemeolof, Author * Or Shemesh * Milan Shiff * Gil Shohat, Historiker, politischer Bildner * Sonia Simmenauer * Walter Solon, Artist / Filmmaker * Lili Sommerfeld, Musikerin * Nirit Sommerfeld * Jacob Sperber, Public Relations * Shaked Spier * Maya Steinberg, Filmmaker * Adina Stern * Lilli Stern * Maayan Strauss * Eliad Vagner * Dr. Katharina Verleger * Joel Vogel, Artist * Emily Weingarten, Sozialarbeitende * Laura Weiss, Ärztin * Yehudit Yinhar, Artist * Dr. Or Yizhar * Dr. Kim Yuval * Lili Zahavi, Director * Roni Zahavi-Brunner * Roy Zinger, Marketing Specialist

Weitere Unterstützende

Noga Abramovitch * Regine Ahrem, Autorin * Abigail Akavia, PhD * Dr. Adi Angert * Cornelia Antes-Aceves Vivanco * Sabina Astete, Microbiologist * Keren Avrahan * Michal Baror, PhD candidate at HfBk * Mary Beer * Neta Ben Porat, Musician and Social Volunteer * Sivan Ben Yishai * Ina-Tatjana von Berg, Doula & Mütterpflegerin * Uri Berger, Musician * Daniel Bernstein, Translator * Adam Berry, Fotograf/Fernsehproduzent/Journalist * Gerd Brehm * Adam Broomberg * Karin Bukovac * Pery Castiel * Dr. Caleb Ward, Researcher * Yuval Carasso, Künstler * Shira Shani Cohen , Kantorin * Michael Cohen – Weissert * Adva Cotani Lehmann * Dr. Arie Dayan * Dr. Yael Dayan * Cornelia Ditsch, Dipl. Ing * Asaf Dvori * M. Eckert, Pensionär * Alex Gabriel Elsohn, Unternehmer * Emet Ezell, Artist * Amir Firestone, Consultant * Tomer Gardi * William Noah Glucroft, Journalist * Ronald Golz * Esther Hamburger * Dr. Yara Haskiel * Samuel Hatchwell * Inbal Heyne * Abraham Ingber, Historiker * Selin Estroti Ipeker, Graphic Designer * Eytan Ipeker, filmmaker * Eliana Jacobs * Juta Jakobsone * Alex Jarewski * Maya Klar * Dr. Vera Koshkina * Ian Leveson * Dikla Levinger, Sozialarbeiterin & politische Bildnerin * Anastasia Levy * Avital Li * Gemma Mattern * Yael Merlini, Teacher * Yael Michael * Tamar Novick * Hagar Ophir * Ann Oren, Filmmaker * Stef Pinsker, Referentin * Kim Ofira Preis * Udi Raz, PhD student, FU Berlin * Joseph Rebling, Lehrer * Liz Rosenfeld, Artist * Rebecca Rukeyser, Writer * Sagi Schaefer * Miriam Schickler * Dr. Gal Schkolnik, CEO Aut2Aut gUG * Shemi Shabat * Ira Shiran * Tal Siano * Prof. Dr. Marc Siegel * Benjamin Stein, Dramaturg * Amir Ovadia Steklov * Dr. Phil. Avinoam Stillman * Dirk Stock , Rechtsanwalt / Notar a.D. * Eyal Vexler, Cultural Producer * Edgar Weimer * Bard Wildly, Berliner, Künstler * Christiane Wittenbecher * Dan Wyman, Jewish Bookseller * Lily Zlotover

Quellen:

https://www.jungewelt.de/artikel/530500.berliner-j%C3%BCdinnen-und-juden-f%C3%BCr-eine-soziale-und-sichere-stadt.html

https://docs.google.com/document/u/0/d/1S68jVIW24xBefy90cmeRGFcMhCimb22RedGnr7sQYk0



In einem weiteren offenen Brief protestieren am 26. September 2026 jüdische Berliner Antifaschistinnen und Antifaschisten gegen die laufende Kampagne gegen die Partei Die Linke in Berlin:


Wir, jüdische Antifaschistinnen und Antifaschisten, Kinder derer, die durch den deutschen Nationalsozialismus verfolgt wurden, erheben unsere Stimme gegen die antidemokratische, antisemitische, antiislamische Kampagne der im Berliner Wahlkampf geschlagenen Parteien und der sie fördernden Medien gegen die Partei Die Linke.

Die Nazis haben versucht, alle Jüdinnen und Juden in Deutschland und Europa zu vernichten. Die Familien unserer Vorfahren wurden fast alle ausgelöscht. Unsere Eltern überlebten in Konzentrationslagern, im Exil, als Kämpfer in den alliierten Streitkräften für die Befreiung Deutschlands vom Faschismus. Sie kehrten in das aufgeteilte Deutschland zurück, weil dort wie seit Jahrhunderten Jüdinnen und Juden leben sollten. Das sehen wir durch das Erstarken der AfD und des Antisemitismus gefährdet. Diese Tendenzen werden durch die Kampagne gegen die Berliner Linke gestärkt.

Die Berliner Linke hat über ein Viertel der Wählerstimmen erhalten, indem sie sich dafür einsetzt, das Leben der Berlinerinnen und Berliner konkret zu verbessern. Aus Sorge um ihre Pfründe und um sie unterstützende finanzkräftige Kreise wird unter Instrumentalisierung des Antisemitismus durch AfD, CDU, Teile der SPD und der Grünen ein Angriff auf die Partei Die Linke geführt, um die Bildung einer Stadtregierung unter Führung von Elif Eralp zu verhindern. Rassismus, Antisemitismus, Antiislamismus, Menschenrechtsverletzungen, durch welche Regierung und politische Kraft auch immer, verurteilen wir aufs schärfste. Am Tag der Befreiung, dem 8. Mai 2026, hat Elif Eralp den Fünf-Punkte-Plan »Jüdisches Leben in Berlin stärken und schützen« vorgelegt. Ihr Landesverband setzt sich konsequent mit jenen Parteimitgliedern auseinander, die zwischen israelischer Politik und dem völkerrechtlich erklärten Existenzrecht des Staates Israels nicht klar unterscheiden. Dieser Prozess ist nicht beendet.

Die völlig enthemmte Kampagne gegen die Berliner Partei Die Linke instrumentalisiert auf verlogene Weise Antisemitismus und trägt genau dadurch dazu bei, zutreffende Vorwürfe von Antisemitismus unglaubwürdig zu machen. Dagegen protestieren wir als Antifaschistinnen und Antifaschisten mit jüdischen Wurzeln mit aller Entschiedenheit. (…)


Unterzeichner*innen

Ellen Händler, Judith Dellheim, Irene Zierke, Michael Brie, Michael Fleischhacker, Thomas Friedländer, André Goldstein

Quelle:

https://www.jungewelt.de/artikel/530718.offener-brief-j%C3%BCdischer-antifaschisten-zur-kampagne-gegen-die-berliner-linke.html


Beitragsbild: © Uwe Bitzel, R-mediabase.eu

Die Werner-Seelenbinder-Gedenktafel in Neukölln

Gesamtansicht der Gedenktafel

Seit dem 30.9.2024 ist die Gedenk- und Informationstafel am Eingang des Werner-Seelenbinder-Sportparks in der Neuköllner Oderstraße zu besichtigen. Sie war im Juli 2017 von der Bezirksverordnetenversammlung beschlossen worden (vgl. BVV-Drucksache 0140/XX) und entstand nach langen Jahren der Verzögerung als Zusammenarbeit zwischen Karin Korte (Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur und Sport), Prof. Dr. Oliver Rump (Museologe, HTW Berlin), Matthias Heisig (Historiker) und der VVN-VdA.


Hier der Text der Tafel:


Werner Seelenbinder

Ringer, Kommunist, Widerstandskämpfer

02.08.1904 – 24.10.1944

Am 29. Juli 1945 fand hier in dieser Sportanlage das erste Neuköllner Sportfest nach der Befreiung vom Faschismus statt. Damals gedachten mehrere Tausend Menschen der von den Nazis misshandelten und ermordeten Arbeitersportler und -sportlerinnen. An diesem Tag erhielt die Urne mit der Asche des Ringers Werner Seelenbinder ein Grab am Haupteingang der Anlage und das Stadion den Namen „Werner-Seelenbinder-Kampfbahn“.
Das Einzel-Ehrengrab von Werner Seelenbinder außerhalb eines Friedhofs ist eine von wenigen Ausnahmen in Deutschland.

Ringer, Arbeitersportler und Kommunist

Werner Seelenbinder wurde am 2. August 1904 in Stettin (heute Szczecin, Polen) geboren und wuchs in Berlin auf. Er war aus Überzeugung Arbeitersportler und seine Disziplin der Ringkampf. Seit 1920 trainierte Seelenbinder im Neuköllner Sportclub Berolina und siegte 1925 bei der ersten Arbeiterolympiade in Frankfurt/Main. Die Arbeitersportbewegung sah sich als Gegenpol zu den bürgerlichen Sport-vereinen. Im Arbeitersport ging es weniger um den Leistungsgedanken. Im Mittelpunkt standen Geselligkeit, Gemeinschaft und die politische Arbeit.
1928 nahm Seelenbinder an der 1. Internationalen Spartakiade in Moskau teil und gewann wieder im Ringkampf. Im selben Jahr wurde er Mitglied der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).

Gedächtnis-Kundgebung für die Opfer des faschistischen Terrors auf der Werner-Seelenbinder-Kampfbahn 9.9.1945

Olympiateilnehmer und Widerstandskämpfer

Nach der Machtübertragung 1933 an die Faschisten lösten diese die Arbeitersportvereine auf und verhafteten allein in Berlin hunderte ihrer Mitglieder – auch Seelenbinder, der inzwischen im Auftrag der KPD zu einem bürgerlichen Sportverein gewechselt war. Als „bürgerlicher Sportler“ gewann er bis 1941 sechsmal die deutsche Meisterschaft und nahm an Wettkämpfen m Ausland teil. Doch seine Kontakte und Reisen nutzte er für illegalen Widerstand: Er schmuggelte geheimes Material, berichtete im Ausland über die Zustände in Nazideutschland und sorgte im In- und Ausland für Verbindung unter seinen Genossen.
Im August 1933 zeigte er öffentlich seine Ablehnung der Hitler-Diktatur, indem er bei der Siegerehrung zu seiner ersten deutschen Meisterschaft den Hitlergruß verweigerte. Danach wurde er für einige Tage im Gestapo-Gefängnis Columbia-Haus am Tempelhofer Feld eingesperrt und erhielt eine 16-monatige Trainings- und Wettkampfsperre.
Aufgrund seiner starken Leistungen konnte er – trotz Inhaftierung und Sperre – an den Olympischen Spielen 1936 in Berlin teilnehmen.
Bei den Spielen war mit der illegalen Leitung der KPD der Plan abgesprochen, dass er im Falle eines Sieges mit einer Rundfunk-Rede gegen Hitler protestieren würde. Da er jedoch nur den vierten Platz erreichte, kam es nicht dazu.
Seit 1938 stand Seelenbinder im engen Kontakt zu Robert Uhrig, dem Leiter der größten antifaschistischen Widerstandsgruppe der KPD in Berlin. Seelenbinder half u.a. beim Aufbau eines Netzes von Widerstandsgruppen vor allem in Berliner Betrieben mit.
Bei der Zerschlagung der Gruppe durch die Geheime Staatspolizei (Gestapo) wurde auch Werner Seelenbinder am 4. Februar 1942 festgenommen. Nach 33 Monaten Haft und Folter in verschiedenen Zwangslagern und Zuchthäusern wurde er am 24. Oktober 1944 im Zuchthaus Brandenburg-Görden mit dem Fallbeil ermordet.

Werner Seelenbinder beim Training mit Karl Binder bei der AEG Treptow 1936 (Sportmuseum Olympiastadion Berlin)

Mahnung und Erinnerung

Wenige Wochen nach der Bestattung und Ehrung Werner Seelenbinders demonstrierten rund 60.000 Berlinerinnen und Berliner am 9. September 1945 in 30 Märschen aus allen Groß-Berliner Stadtteilen zur ersten großen Gedenkkundgebung für die Opfer des Faschismus zur Werner-Seelenbinder-Kampfbahn.
Auf der Westseite des Stadions war dazu nach einem Entwurf des Berliner Stadtbaurates und Architekten Hans Scharoun ein provisorisches Denkmal gebaut worden. Vor dem Hintergrund zweier schräger Sockel erhob sich eine rund zehn Meter hohe Dreieckspyramide mit den Buchstaben KZ an ihrer Spitze. Der „Tag der Erinnerung und Mahnung“ ist seitdem stets am ersten Sonntag im September eine jährliche Gedenkveranstaltung für die Opfer des Faschismus.
Die Werner-Seelenbinder-Kampfbahn verlor jedoch bereits 1948 ihren Namen. Seelenbinder galt als Kommunist in der Zeit des „Kalten Krieges“ in West-Berlin dieser Ehre für unwürdig. Die Westberliner Ämter verwendeten nur noch die Bezeichnung „Stadion Neukölln“. Doch die jährlichen Gedenkfeiern am Grab von Werner Seelenbinder wurden durch politische Gruppen wie die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) weiterhin durchgeführt, häufig behindert von Polizei, Bevölkerung und Lokalpolitik.

Werner Seelenbinder mit „Schmuggelkoffer“ 1937 auf einer Turnierreise

Mit dem Grabstein, den das Bezirksamt Neukölln zum zehnten Todestag von Seelenbinder setzen ließ, zeigte sich 1954 ein erster Sinneswandel. Doch die Namensehrung erhielt das Stadion erst nach jahrelangen Bemühungen von Initiativen, Gruppen und politischen Parteien im Oktober 2004 zurück.
Im Mai 2008 wurde Werner Seelenbinder in die virtuelle Ruhmeshalle des deutschen Sports, der Website „hall-of-fame-sport.de“, aufgenommen. 64 Jahre nach seiner Ermordung erhielt der Ringer und Widerstandskämpfer damit Anerkennung in ganz Deutschland

Briefmarke: „Werner Seelenbinder 1904 – 1944“, Deutsche Post der DDR, Entwurf: Gerhard Stauf, Oswin Volkamer, Ausgabetag: 27. Mai 1963

Flugblatt zur Berlin-Wahl

Der Vorstand der VVN-VdA hat beschlossen, das Flugblatt der VVN-BdA nicht zu verteilen, da darin Russland als „Aggressor“ dargestellt wird, ohne die Vorgeschichte des Konflikts und die Rolle der Nato zu erwähnen. Die VVN-VdA hat wiederholt Veranstaltungen zusammen mit Frieden gewinnen und Ak-Frieden angeboten, (mit von der Schulenburg, mit Rügemer, IMI), um diese Position zu erklären und zu erhärten.

Der Vorstand der VVN-VdA hat daher eigene Flugblätter herausgegeben:

Flugblatt vom: 21.8. * 9.9.

Parlamentarischer Untersuchungsausschuss zum Neukölln-Komplex

Als »Neukölln-Komplex« werden die mangelhafte Aufklärung einer rechten Anschlagsserie in Berlin-Neukölln und die zahlreichen damit verbundenen Behördenskandale bezeichnet. Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) zum »Neukölln-Komplex« endete nach vier Jahren im Frühsommer 2026.

Am 10. Juni wurde der offizielle Abschlußbericht auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Neben einem gemeinsamen Teil enthält er ein Sondervotum von Grünen und Linken und eines von der AfD.

Mit mehr als 25 000 Unterschriften war der PUA von Betroffenen der Anschlagsserie und zivilgesellschaftlichen Initiativen (darunter die VVN) eingefordert worden. Sie hatten zudem seine insgesamt 49 Sitzungen verfolgt und ihn kritisch mit Kundgebungen, Veranstaltungen und Presseerklärungen begleitet.

Sie haben jetzt eine Broschüre erstellt, in der ihre Sicht und insbesondere eine detaillierte Zusammenstellung ihrer Erkenntnisse, Kritik und Forderungen dargestellt sind.

Eine der regelmäßig begleitenden Kundgebungen vor dem Berliner Abgeordnetenhaus

Zum Download:

Gedenken am 9. Mai beim Zwangsarbeiterlager Britz

Gedenkveranstaltung am 9. Mai am Standort des ehemaligen Zwangsarbeiterlagers in der Onkel-Bräsig-Straße 2, 12359 Berlin-Neukölln.

Hufeisern gegen Rechts feiert den Tag der Befreiung.

Wir waren vor Ort.

Hier Vorstandsmitglied Rüdiger Deißler.

Rede der VVN-VdA zum Elbe Day 25.4.2026 in Torgau

Vielen Dank für die Einladung, hier und heute an diesem herrlichen Tag des Antifaschismus und der Völkerfreundschaft sprechen zu dürfen. Ich bin Brigitte Renkl und Mitglied im Vorstand der VVN-VdA Berlin.

Als ich im vergangenen Jahr hier in Torgau war, wurde ich von antideutschen Kräften in der VVN-BdA fotografiert. Ich ging mit der VVN-Fahne – die mit dem roten Winkel der politischen KZ-Gefangenen – an einer Kundgebung der Freien Sachsen vorbei, was beim Rückweg zum Bus nicht zu vermeiden war. Und das Gekläffe ging los: Rechtsoffen, Brandmauer, Hufeisen bis hin zur Gleichsetzung mit Faschisten. Und das mir, die ich über 50 Jahre als Gewerkschafterin, als Kommunistin im antifaschistischen Kampf stehe. Ich habe 10 Jahre durch alle Instanzen des bürgerlichen Gerichts, bis hin zum Verfassungsgericht, darum gekämpft, dass man auch in Bayern sagen darf: Strauß deckt Faschisten!

Und dank der großartigen Solidarität – gewonnen.

Und wie oft war ich in vorderster Reihe gestanden, um den Faschisten den Weg zu versperren. Und hatte dabei das Privileg, mit solchen Widerstandskämpfern verbunden zu sein wie Gertrud Müller, Peter Gingold, Emil Carlebach, Richard Scheringer, Alfred Hausser, Leo Heinemann oder Esther Bejarano …

Was ist die Ursache für dieses Gehabe, das auch vor Rufmord nicht Halt macht? Man muss nicht lange suchen. Das Gespenst geht schon länger um: Die Bundesrepublik Deutschland ist auf der Staatsdoktrin des Antikommunismus aufgebaut. Dazu gehören Bekenntnisse gegen die DDR, für die EU und für die NATO und damit zum Bündnis mit dem US-Imperialismus.

Auf dem Weg zum staatlich anerkannten Duckmäuser muss man diese Stöckchen überspringen, ergänzt inzwischen durch „Völkerrechtswidriger Angriffskrieg Putins“ und „Netanjahu muss Alles dürfen“ – sonst Antisemitismus. Verneigung vor diesen Geßler-Hüten ist Pflicht, sonst: keine Räume, keine Zuschüsse, keine Ämter und Posten, gesellschaftliche Ächtung samt Internet-Pranger bis hin zur Verweigerung eines Bankkontos und zum Berufsverbot. Jetzt endlich dürfen die Parteifreunde von Hans Maria Globke, dem Mit-Verfasser und Kommentator der Nürnberger Rassegesetze, dann unter Adenauer Chef des Bundeskanzleramts, darüber bestimmen, wer „guter“ Jude und was „antisemitisch“ ist,

darüber bestimmen, ob man die „Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ verbietet. Und darin finden sich die Freunde der „Brandmauer“ gegen die AfD vereint – na mit wem wohl – mit der AfD-Führung: Als es am 7. November 2024 im Bundestag um die „Nibelungentreue“ zur israelischen Netanjahu-Regierung als deutsche „Staatsräson“ ging, gaben CSU, CDU, SPD, Grüne zusammen mit der AfD ihre Ja-Stimme. Die Partei Die Linke enthielt sich. Nun ja!?

Das zeigt auch, in welches Lager die AfD als Partei gehört. Nämlich in das Lager der Netanjahu- und Trump-Freunde, der Militaristen und Kriegstreiber, in das Lager des Abbaus von sozialen und demokratischen Rechten, in das Lager der Milliardäre, in das Lager des deutschen Imperialismus. Freundschaft mit Russland ist für die AfD-Wessis wie Höcke, Weidel, Gauland doch nur Taktik und Demagogie. Wirkliche Freundschaft mit Russland hieße doch:

NATO raus aus den Ländern des ehemaligen Warschauer Vertrags, EU raus aus diesen Ländern, hieße

Schluss mit Aufrüstung und Militarisierung Deutschlands! Freundschaft mit Russland heißt auch Anerkennung der Sowjetunion und ihres heldenhaften Einsatzes bei der Niederschlagung des Hitlerfaschismus und der Befreiung Deutschlands. Darüber müssen wir mit den Kolleginnen und Kollegen in Betrieb und Gewerkschaft, die mit der Wahl der AfD liebäugeln, mit unseren Nachbarn, sprechen und streiten. Statt uns auf eine abstrakte Brandmauer-Debatte einzulassen, ob Bündnisse mit dieser Partei zulässig sind. Wir wissen aus den vergangenen Debatten über Einheits- und Volksfront, dass wir nicht fragen „nach Verband und Partei, seid ihr nur ehrlich im Kampf mit dabei gegen Unrecht und Reaktion“. Diese Partei ist in ihrer Gesamtheit nicht ehrlich auf Volkes Seite, auch wenn sie gelegentlich mal und richtigerweise etwa den Bau von öffentlichen Bedürfnisanstalten fordern sollte. Und den Charakter der AfD als Sammelbecken für Faschismus und Reaktion aufzuzeigen, ist unsere verdammte Pflicht!

Liebe Freunde, Kameraden, Genossinnen und Genossen,

so klein und schwach die organisierte Gegenwehr in unserem Land derzeit noch sein mag, der politische Gegner in Regierung und Kapital erkennt unser Potenzial manchmal besser als wir selbst. Deswegen fahren sie so schweres Geschütz gegen alle auf, die noch links, kommunistisch und ehrlich sozialistisch, die noch fortschrittlich, noch humanistisch sind oder es werden wollen.

Gegen uns, die wir uns der deutschen Aufrüstung und Militarisierung widersetzen und der NATO,

die sich der EU widersetzen als reaktionäres, als imperialistisches Projekt der Aggression gegen Osten, besonders gegen Russland,

sich widersetzen den Milliarden und den Waffen für das Bandera/Asow-Regime in Kiew und die Schlächter in Gaza.

Gegen uns, die wir die VR China nicht als Bedrohung, sondern als Hoffnung sehen.

Gegen uns, die wir in der DDR das andere Deutschland, das bessere verteidigen und in diesem neuen Großkotzdeutschland nicht das Ende der Geschichte sehen.

Gegen uns, die wir uns an der Seite der Völker sehen, die gegen den Imperialismus kämpfen, allen voran in Kuba, in Venezuela, in Palästina, im Iran und nicht zuletzt auch in den USA. Hoch die internationale Solidarität! Venceremos!

Nakba-Demo Berlin 16.5.2026

Am 16.5.2026 fand u.a. in Berlin eine Demonstration statt zur Erinnerung an die Nakba 1948, die Vertreibung der Palästinenser durch israelische Terrormilizen wie Haganah und Palmach. Zu sehen ist eine kleine Gruppe aus VVN-Mitgliedern und Mitglieder der italienischen Partnerorganisation ANPI Berlin-Brandenburgo, beide Gruppen mit Organisationsfahne.

Redebeitrag der VVN-VdA zum 8. Mai 2026

Redebeitrag der VVN-VdA Berlin zum 8. Mai 2026 – 81. Jahrestag der Befreiung
vom deutschen Faschismus – am Sowjetischen Ehrenmal in Tiergarten

Vielen Dank für die Einladung, hier sprechen zu dürfen.

Der heutige Tag, der 8. Mai, muss nach jedem menschlichen und historischen Ermessen im Zeichen der Freude und Dankbarkeit gegenüber den Befreiern stehen. Allen voran gilt unser Dank der Sowjetunion, die mit 27 Millionen Toten den größten Blutzoll geleistet hat. Dank der Roten Armee, Dank und Ehre den gefallenen Sowjetsoldaten, die auch Berlin befreit haben.

Die VVN wurde 1947 als überparteilicher und überkonfessioneller Verband gegründet aus der noch frischen Erfahrung, dass Faschismus und Weltkrieg möglich wurden, weil die deutsche Arbeiterbewegung und die DemokratInnen sich spalten ließen.

Wir als VVN sind dem Schwur von Buchenwald verpflichtet: “Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.” Daraus ergibt sich unser Engagement gegen Faschismus, Militarisierung und Krieg, gerade auch heute.

Der genannte Schwur ist nur im Osten Deutschlands – mit der Sowjetarmee – umgesetzt worden, indem die Enteignung von Kriegsverbrechern und von Banken und Firmen, die am Krieg verdient hatten, durchgesetzt wurde. Das entsprach den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens. Aber wie auch heute haben die westlichen Alliierten das Völkerrecht auch damals schon nur dann umgesetzt, wenn es für ihre Interessen von Nutzen war. Mit der gesellschaftlichen Rückwende 1989/90 wurden in ganz Osteuropa die Machtverhältnisse zugunsten der reaktionären Kräfte verschoben, mit der Osterweiterung der NATO und dem wirtschaftsimperialistischen Bestrebungen der EU.

Seit einigen Jahren erleben wir, dass die Interessen des Kapitals immer mehr mit Krieg und Gewalt durchgesetzt werden.

Der deutsche Militarismus erlebt eine Hochkonjunktur, befördert durch die Politik der Regierungsparteien der letzten Jahrzehnte. Diese geht einher mit massivem Sozialabbau und der Entstehung einer neuen rechtsextremen Kraft, der AfD. Dieser Politik gilt unser Widerstand. Eine ausschließliche Konzentration auf die AfD ist dabei nicht ausreichend und wird nicht dazu führen, die gesellschaftlichen Verhältnisse umfassend zu verändern und zu der im Schwur von Buchenwald genannten neuen Welt des Friedens und der Freiheit zu führen.

NATO raus aus den Ländern des ehemaligen Warschauer Vertrags, EU raus aus diesen Ländern, heißt auch Schluss mit der Aufrüstung und Militarisierung Deutschlands! Stop dem Sozialabbau!

Als Begleitmusik zu dem Ganzen wird die Umwidmung oder Beseitigung der sowjetischen Ehrenmale in der BRD betrieben. Solches Handeln widerspricht ebenfalls den entsprechenden Bestimmungen im 2+4-Vertrag. Schaffen wir öffentlichen Druck dagegen, um dem Geschichtsrevisionismus ein Ende zu setzen! Das gebietet das Andenken an die, die uns vom Faschismus befreit haben.

Wir als VVN-VdA stehen heute gegen die deutsche Beteiligung am Krieg in der Ukraine und in Israel / Palästina, keine Waffen für Kiew und die Kriegsverbrechen in Gaza, gegen die massive deutsche Aufrüstung; wir stehen dafür, den Frieden zu gewinnen, nicht den Krieg — für Frieden mit Russland und China, gegen die Vernichtung von Gaza und seiner Bevölkerung, gegen den Abbau des Völkerrechts und seinen Ersatz durch das Recht des Stärkeren. In diesem Sinn richten wir von hier auch einen Gruß voller Solidarität an das bedrohte Cuba. Hoch die internationale Solidarität! Frieden und Freundschaft mit Russland heißt auch Anerkennung der Sowjetunion und ihres heldenhaften Einsatzes bei der Niederschlagung des Hitlerfaschismus und der Befreiung Deutschlands.

Und wir stehen heute ebenso gegen Rassismus, gegen anti-migrantische Hetze, gegen die AfD als Speerspitze einer Wende zum Faschismus — für Völkerverständigung und Demokratie.

Wir begeben uns jedenfalls nicht auf den Weg zum staatlich anerkannten Duckmäuser. Wir springen nicht über diese Stöckchen, die da heißen „Aggressor Putin“ und „Die Kriegsgefahr geht von Russland aus“ sowie „Netanjahu muss alles dürfen – sonst ist es Antisemitismus“. Verneigung vor diesen Geßler-Hüten ist heute ja geradezu schon Pflicht, sonst: keine Räume, keine Zuschüsse, keine Ämter und Posten, gesellschaftliche Ächtung samt Internet-Pranger bis hin zur Verweigerung eines Bankkontos und zum Berufsverbot. Jetzt bestimmen die Parteifreunde von Hans Maria Globke, dem Mit-Verfasser und Kommentator der Nürnberger Rassegesetze, dann unter Adenauer Chef des Bundeskanzleramts, darüber, wer „guter“ Jude und was „antisemitisch“ ist, bestimmen darüber, ob man die „Jüdische
Stimme für gerechten Frieden in Nahost“ verbietet. Und die Deutsche Bank, heute Eigentümer der Postbank, unter der Führung von Josef Abs Groß- und Hauptfinancier des Mordens der Faschisten, bestimmt, wer ein Konto haben darf und wer ihnen politisch nicht genehm ist. Nur so nebenbei: wen wundert es, Josef Abs war nach dem Krieg bald wieder in Amt und Würden bei der Deutschen Bank.

Liebe Freunde, Kameraden, Genossinnen und Genossen, so klein und schwach die organisierte Gegenwehr in unserem Land derzeit noch sein mag, der politische Gegner in Regierung und Kapital erkennt unser Potenzial offensichtlich besser als wir selbst. Deswegen fahren sie so schweres Geschütz gegen alle auf, die noch links, kommunistisch und ehrlich sozialistisch, die noch fortschrittlich, noch humanistisch sind oder es werden wollen.

Also haben wir Mut zu kämpfen! In diesem Sinn: Wir werden siegen!!

Ein Schlaglicht auf den 8. Mai 2026 in Treptow

Der 8. Mai am Sowjetischen Ehrenmal in Treptow sollte eigentlich im Zeichen der Dankbarkeit gegenüber der Sowjetunion stehen, die mit 27 Millionen Toten den größten Blutzoll bei dem Sieg über den Faschismus geleistet hat.

Aber nein, es finden sich auch an diesem Tag Menschen, die vom politischen Streit nicht lassen können.

Dieses Jahr war bei der traditionellen Gedenkveranstaltung der Berliner VVN-BdA und einem antifaschistischen Gesangsfestival des BdA Treptow am Sowjetischen Ehrenmal auch der Liedermacher „Nümmes“ (ein pensionierter Lehrer) eingeladen. Nach Bob Dylans „Masters of War“ (mit deutschem Text, „Die Herren der Kriege“) sang er ein Lied „Handala“ über einen 1948 in der Nakba* vertriebenen palästinensischen Jungen und klärte dabei auf über den bekanntesten palästinensischen Karikaturisten, der die berühmte Comic-Figur Handala in den 1980er Jahren schuf und der durch den israelischen Mossad in London ermordet wurde. Über das Lied empörten sich israelfreundliche Kräfte aus dem Umkreis des Berliner VVN-BdA-Vorstands. Sie unterbrachen den Sänger mit dem Ziel, dass dieses Lied „Handala“ nicht weiter gesungen werde.

Die Vorsitzende des BdA Treptow sah sich gezwungen, den Sänger zu bitten, das Lied nicht weiter zu singen. „Nümmes“ aber war selbstbewusst genug und ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. Er informierte während der Unterbrechung die Zuhörer, dass er als Lehrer seine Schüler zeitlebens zum Frieden erzogen habe, dass er gerne später mit allen Interessierten über seine Liedtexte diskutieren werde und dass er kein Problem habe, sich von der Hamas zu distanzieren, aber er ließe nicht zu, dass dieses Lied als antisemitisch bezeichnet werde, und sang das Lied weiter. Die Treptower Vorsitzende entschuldigte sich später bei dem Liedermacher für ihre Unterbrechung des Liedes.

*Nakba heißt die Vertreibung der palästinensischen Bewohner*innen im späteren Kerngebiet des 1948 gegründeten Staates Israel.

Hier der Liedtext:


In diesem Zusammenhang weisen wir auch auf den am 14.5.26 bundesweit gestarteten Kinofilm „Palästina 36“ hin, der unter anderem den arabisch-palästinensischen Aufstand 1936 im damaligen Mandatsgebiet Palästina zum Inhalt hat.

AK Frieden zum 81. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus

Stellungnahme des AK Frieden der Berliner VVN- BdA e.V. zum 8. Mai 2026 – 81. Jahrestag der Befreiung vom deutschen Faschismus

Der Schwur von Buchenwald:


„Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

ist nur im östlichen Teil Deutschlands (der sowjetischen Besatzungszone) umgesetzt worden, in dem die Enteignung von Kriegsverbrechern und am Krieg verdienenden Firmen durchgesetzt wurde. Das entsprach dem Potsdamer Abkommen. Schon damals haben die westlichen Alliierten das Völkerrecht nur dann umgesetzt, wenn es ihren Interessen entsprach. Mit der gesellschaftlichen Umwälzung 1989/90 wurden in ganz Osteuropa die Machtverhältnisse zugunsten der reaktionären, revanchistischen, imperialistischen Kräfte verschoben.

Seit einigen Jahren erleben wir, dass die Interessen des Kapitals immer mehr mit Krieg und Gewalt durchgesetzt werden.

Der deutsche Militarismus erlebt eine Konjunktur, befördert durch die Politik der Regierungsparteien der letzten Jahrzehnte. Diese geht einher mit massivem Sozialabbau und der Entstehung einer neuen rechtsextremen Kraft, die AfD. Dieser Politik gilt unser Widerstand. Eine einseitige Konzentration auf die AfD ist nicht ausreichend und wird nicht dazu führen, die gesellschaftlichen Verhältnisse umfassend zu ändern. Dieses Ziel darf nie aus den Augen verloren werden.

Am 26. März 2026 fand im Kapitulations-Museum Berlin-Karlshorst unter dem Titel „Fremdes Gedenken – eigene Verantwortung? Sowjetische Ehrenmale und deutsche Erinnerungskultur“ eine Tagung der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, des Museums Berlin-Karlshorst und des Ukrainischen Instituts in Deutschland statt.

Auf nachträgliche Anfrage zu Materialien antwortete das Museum Karlshorst:


„Die Veranstaltung … war als ein Colloquium, d.h. ein Gespräch angelegt. Es gab deshalb keine Manuskripte oder veröffentlichungsfähigen Texte. Eine Veröffentlichung von Texten ist auch nicht vorgesehen. Es gab ein paar Bild-Präsentationen, die ohne das gesprochene Wort nicht aussagefähig sind und deshalb nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben werden.“

Nicht an die Öffentlichkeit sollte kommen, dass es um die Umwidmung oder Beseitigung der sowjetischen Ehrenmale in der BRD ging. Eine Beseitigung der vielen Gedenkorte entspräche zwar dem Zeitgeist und der Russophobie, widerspricht aber den entsprechenden Festlegungen im 2+4-Vertrag.

Diesen geschichtsrevisionistischen Kräften ist durch Schaffung einer breiten Öffentlichkeit das Handwerk zu legen. Das ist nach Auffassung aller Freunde im AK Frieden und ein wichtiger Arbeitspunkt der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten.

Dafür treten wir ein!

Arbeitskreis Frieden der Berliner VVN-BdA

Berlin, April 2026

akfrieden.vvnberlin2024@gmail.com


  • Diese Erklärung als Pdf
  • Vorstellung des Arbeitskreises und weitere Materialien