Beerdigung von Victor Grossman

Im August habe ich noch mit ihm zusammen und acht anderen Kameradinnen und Kameraden gesessen bei unserem „Arbeitskreis Frieden“ der Berliner VVN-BdA. Wir trafen uns seit 2015 monatlich, Victor war regelmässig dabei mit seinen umfassenden politischen Einschätzungen und seinem monatlich in englisch verfassten Rundbrief, den er per EMail weltweit verbreitete. Victor war zum Schluss körperlich etwas eingeschränkt, aber geistig völlig frisch. Er starb ja auch nicht etwa „nach langer Krankheit“, wie sonst oft gehört, sondern ganz simpel an einer Lungenentzündung, vermutlich, weil er nicht genug auf sich geachtet hat.

Die wirklich berührende Trauerrede in der Kapelle des Dorotheenstädtischen Friedhofs hielt Sevim Dagdelen vor etwa 150 Trauergästen. Politisch wichtig und richtig, aktuell und inhaltlich-menschlich wunderbar. Es wurde zwischendurch aus Heinrich Heine gelesen und Musik eingespielt von Pete Seeger und Woody Guthrie ( „Walking down Death Row“, „Will you miss me ?“). Und von Paul Robeson zum Schluss: „Going Home“. Auch, unvermeidlich, Ernst Buschs „Spaniens Himmel“. Sehr bewegend.

Viele alte Genossinnen und Genossen und Kampfgefährten aus dem Osten, die über 90-jährige, rüstige Laura von Wimmersperg und andere von der Leitung der Friedenskoordination (Friko) Berlin, ex-MdB Gesine Lötzsch, Vertreterinnen der Kommunistischen Plattform der Partei Die Linke, der Victor angehörte, eine Abordnung der „Freunde und Kämpfer für die Spanische Republik“, denen Victor sehr verbunden war, zeigten die Originalfahne der XI. Brigade (Thälmann-Brigade) der Internationalen Brigaden, viele alte VVN-Mitglieder. Niemand vom Linke-Parteivorstand, niemand vom -Landesvorstand, obwohl Victor trotz grundlegender Kritik bis zum Schluß Linke-Mitglied blieb. Tageszeitung Junge Welt mit eigenem Kranz und dem Duo Arnold Schölzel / Dietmar Koschmieder, (Neues Deutschland war leider nicht offiziell vertreten) einige US-amerikanische Linke, die hier leben.

Übles Glatteis auf dem Friedhof, nicht gestreut, Victors Urnengrab nicht weit von Bertolt Brecht und Helene Weigel. Er hat es so verdient, hier zu liegen.

Im Anschluß luden die beiden Söhne zum Imbiss in die Kantine des Berliner Ensemble.

Rüdiger Deißler

Protest gegen die rechtswidrigen Sanktionen gegen Jacques Baud

Mit ihrem jüngsten Sanktionspaket hat die EU den Militärhistoriker und ehemaligen Oberst der Schweizer Armee und des Schweizer Strategischen Nachrichtendienstes sowie Mitglied des Schweizer Generalstabs Jacques Baud mit Sanktionen belegt. Jacques Baud ist Schweizer Staatsbürger und lebt in Brüssel. Er darf Belgien nicht mehr verlassen, sein Vermögen wurde beschlagnahmt, seine Konten sind eingefroren, seine Bücher dürfen nicht mehr verkauft werden.

Jacques Baud hat unter anderem für die NATO und die Vereinten Nationen gearbeitet. Er ist ein untadeliger Wissenschaftler und ein Ehrenmann. Seine Bücher erfüllen die höchsten Maßstäbe der fachlichen historischen Analyse. Er arbeitet strikt neutral nach dem Grundsatz: Beide Seiten müssen gehört werden.

Es ist kein Verbrechen, die wahren Gründe des Ukraine-Krieges zu nennen. Es ist kein Verbrechen, die Leser auf Unwahrheiten und die eigene Propaganda der EU und der NATO aufmerksam zu machen. Es ist kein Verbrechen, auf die gedankenlose Kooperation des Westens mit ukrainischen Kräften hinzuweisen, die eine gefährliche Nähe zu Faschisten aufweisen.

Der Ministerrat der EU zerstört mit willkürlichen Strafmaßnahmen gegen Jacques Baud und insgesamt gegen 59 Journalisten und Wissenschaftler die Grundlagen der Meinungsfreiheit.

Diese Sanktionen sind illegal und völkerrechtswidrig, denn sie wurden nicht durch den UN-Sicherheitsrat verhängt. Das Gutachten der ehemaligen Richterin am Europäischen Gerichtshof Prof. Dr. Ninon Colneric und der Rechtswissenschaftlerin Prof. Dr. Alina Miron von der Universität Angers zeigt, dass die zugrundeliegenden Rechtsakte auch gegen EU-Recht verstoßen. Die EU nutzt die Sanktionsliste als Instrument, Kritiker mundtot zu machen, und manövriert sich immer tiefer in einen Abgrund der Gesetzlosigkeit.

Wir rufen das Europäische Parlament, die Parlamentarische Versammlung des Europarates, den Deutschen Bundestag, die deutschen Landes- und Kommunalparlamente, das gesamte deutsche Volk und die Menschen in allen Ländern der Europäischen Union auf, den Zerstörern der Demokratie und den Kriegstreibern jetzt mit aller Macht entgegenzutreten.

Die Präambel des Grundgesetzes verpflichtet Deutschland, dem Frieden zu dienen. Das Grundgesetz legt in Artikel 5 fest: „Eine Zensur findet nicht statt.“ Die Handlungen von EU-Kommission und EU-Rat stehen im Widerspruch zu unserem Grundgesetz. Wir fordern die Bundesregierung auf, gemäß ihrem Amtseid auf diesen ungesetzlichen Vorgang hinzuweisen.

Wir fordern die sofortige Aufhebung der illegalen Sanktionen gegen Jacques Baud sowie gegen alle Journalisten, Wissenschaftler und EU-Bürger.

Wir fordern Bundesregierung und EU auf, konstruktiv am Frieden in der Ukraine mitzuwirken und alle verfassungswidrigen Versuche einzustellen, den Krieg zu verlängern.


Unterschriftensammlung: https://free-baud.org

Erklärung des AK Frieden: Pdf


Ähnliche Sanktionen hat die EU gegen den Journalisten Hüseyin Doğru verhängt, siehe z.B. https://www.nachdenkseiten.de/?p=135478.


Kontokündigungen erfolgten Ende 2025 u.a. gegen die DKP, die Rote Hilfe, das Anarchist Black Cross Dresden und Gruppen der Klimagerechtigkeitsbewegung.