Mit dieser Veranstaltung möchten wir die Debatte über Hochrüstung und Abschreckung auch in der kritischen Friedensforschung wiederbeleben. Ein Grund liegt in der Zerstörung relevanter Verträge zur Abrüstung und Rüstungskontrolle durch Aussetzung, Kündigung oder Nichtverlängerung. Betroffen sind unter anderem der Vertrag über Konventionelle Streitkräfte in Europa (KSE-Vertrag), der INF-Vertrag über die Abrüstung landgestützter atomarer Mittelstreckenraketen und der ABM-Vertrag zur Begrenzung von Raketenabwehrsystemen. Nun hat es mit dem New Start-Vertrag die letzte Bastion zur Begrenzung und Kontrolle strategischer Atomwaffen erwischt. An dieser Entwicklung haben auch die NATO-Staaten – allen voran die USA – erheblichen Anteil.
Während Abrüstung und Rüstungskontrolle abgewickelt werden, explodieren die Rüstungsetats nicht zuletzt der NATO-Staaten in unvorstellbare Höhen, werden überall Waffentechnologien revolutioniert und exklusive Pläne zur Stationierung von US-Mittelstreckenraketen in Deutschland geschmiedet. Die Bündnisstaaten setzen damit einseitig auf eine Strategie militärischer Abschreckung, die bereits während der Blockkonfrontation zwischen NATO und der Warschauer Vertragsorganisation mehrmals an der atomaren Apokalypse nur knapp vorgeschrammt war. Und derzeit sind die Beziehungen zu Russland nach dem Angriffskrieg auf die Ukraine noch frostiger als in den Hochzeiten des Kalten Kriegs. Die Vorstellung, die Eskalationsrisiken militärischer Hochrüstung durch noch mehr Rüstung beherrschen zu können, ist nicht nur paradox: Sie grenzt an Hybris. Nun wollen sich auch noch die EU-Europäer*innen unter dem Schlagwort der strategischen Autonomie in das tobende Hasardeurspiel einschalten.
Mit Oberst a.D. Wolfgang Richter haben wir nicht nur einen Militärexperten, sondern auch einen ausgewiesenen Kenner der gegenwärtigen strategischen Lage mit praktischer Erfahrung auf dem diplomatischen Parkett gewonnen. Er war Leitender Militärberater in den deutschen VN- und OSZE-Vertretungen, wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) und arbeitet derzeit als Associate Fellow beim Genfer Zentrum für Sicherheitspolitik (GCSP). Dort beschäftigt er sich unter anderem mit der Fragen der Europäischen Sicherheitsordnung und der stabilisierenden Rolle der Rüstungskontrolle.
Bitte meldet Euch rechtzeitig an bei David Scheuing: d.a.scheuing@web.de Der Link geht Euch kurz vor der Veranstaltung zu.
Aktuelle Veröffentlichungen von Oberst a.D. Richter:
- Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine Vorbereitung – Kriegsverlauf – Ressourcen – Risiken – Folgerungen. Wien: Friedrich-Eberst-Stiftung, 2023 (online: https://library.fes.de/pdf-files/bueros/wien/20886.pdf)
- Stationierung von U.S. Mittelstreckenraketen in Deutschland, Konzeptioneller Hintergrund und Folgen für die europäische Sicherheit, Wien (Friedrich-Ebert-Stiftung) 2024; Aktualisierte Fassung in: Varwick, Johannes (Hrsg.): Die Debatte um US-Mittelstreckenraketen in Deutschland. Sicherheitspolitische Weichenstellungen der Jahre 2024/2025, Opladen; Berlin; Toronto (Verlag Barbara Budrich), 2025, S. 15-40.
- Wolfgang Richter, „Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine: Vorbereitung – Kriegsverlauf – Ressourcen -Risiken – Folgerungen.“ in: Götz Neuneck (Hg.), „Europa und der Ukrainekrieg. Chancen und Herausforderungen für eine zukünftige Friedens- und Sicherheitspolitik.“ (Mitteldeutscher Verlag) Halle (Saale), 2024, S. 39 – 136

